Seine typographische Laufbahn begann Heinrich erst 1557. Zwar nennt er sich Typographus Parisiensis, welches aber nicht ausdrücken soll, dass seine Offizin in Paris war; die Bezeichnung sollte ihm nur ein grösseres Gewicht in den Augen des Publikums verschaffen. Wahrscheinlich auf Grund seiner Reisen und der Kosten des Etablissements kam Heinrich bald in Verlegenheit, wurde aber durch ein Mitglied der berühmten Familie Fugger, Hulderich, unterstützt und erhielt von ihm eine jährliche Rente. Er nannte sich deshalb auch zehn Jahre lang Fuggerorum Typographus. Dies hörte aber, zugleich mit der Freundschaft, 1568 auf.
Thesaurus linguæ
græcæ.
Mit grosser Energie ging Heinrich an die Fortsetzung der Wirksamkeit des Vaters, in einer Weise, die seine körperlichen Kräfte überstieg. Wenn auch die typographische Ausstattung ein wenig hinter der der Pariser Ausgaben zurückbleibt, so kann ihnen dies doch den inneren Wert nicht rauben. 1572 erschien das Werk, welches seinen Arbeiten die Krone aufsetzte, der Thesaurus linguæ græcæ, aber er hatte damit seine pekuniären Kräfte erschöpft. Den grössten Schaden that ihm Johann Scapula durch einen Auszug. Obwohl Scapula an der Korrektur von Stephanus' Werk und an der Redaktion teilgenommen hatte, entblödete er sich nicht zu erklären, dass er nur zufällig den Thesaurus gesehen habe und dass seine Arbeit ganz dem eigenen Geiste entsprungen sei. Eine editio posterior, die Heinrich einige Jahre nachher veranstaltete, ist nur durch Umdruck einzelner Blätter eine neue Ausgabe.
Von jetzt ab fängt Heinrich ein nomadisierendes Leben an, das erst mit seinem Tode aufhören sollte. Er folgte darin zumteil seinen Neigungen, beabsichtigte aber auch seine grossen Lagervorräte an den Mann zu bringen. Namentlich Deutschland und seine Büchermessen besuchte er regelmässig, kam auch nach Wien und selbst nach Ungarn; war ebenso öfters in Paris, wo er vom König Heinrich iii. gut aufgenommen wurde.
Heinrich ii. stirbt
in Lyon.
1597 wollte Heinrich von Genf aus wieder Frankreich besuchen. Er verblieb eine zeitlang in Montpellier, wo seine Tochter Florence an den gelehrten Isaak Casaubon verheiratet war, dem er seine Mitwirkung bei dessen litterarischen Arbeiten anbot. Diese scheint abgelehnt worden zu sein und Heinrich setzte nun seine Reise weiter fort, kam krank nach Lyon und liess sich in das Spital bringen, wo er in den ersten Tagen des März 1598, gegen 90 Jahre alt, starb. Heinrichs finanzielle Lage war zwar nie glänzend gewesen, doch haben wir nicht nötig anzunehmen, dass ihn die Armut in das Spital führte. Seine Verlegenheiten gingen nicht so weit, dass seine Existenz gefährdet war, und der Verkauf seiner Werke deckte nicht allein seine Schulden, sondern liess auch noch etwas für die Witwe übrig und erhielt die Druckerei seinem Sohne Paul.
Paul.
Paul war zwar ein tüchtig gebildeter Mann, besass jedoch nicht die geschäftliche Energie des Vaters, betrieb das Geschäft in wenig hervorragender Weise und verkaufte dasselbe 1627 an die Gebr. Chouet. Ein Sohn Pauls, Antonius, entwickelte Tüchtigkeit und Thätigkeit in Paris, war jedoch nicht vom Glück begünstigt und starb 1674 schwach und erblindet, 84 Jahr alt, im Hôtel-Dieu.
Franz ii.
Der jüngste Bruder Heinrichs ii., Franz ii., kam schon jung mit seinem Vater nach Genf, wurde dort in der protestantischen Konfession erzogen und wissenschaftlich ausgebildet. Im Jahre 1562 hatte er in Genf eine Druckerei, die bis zum Jahre 1582 fortbetrieben wurde, jedoch keine besondere Thätigkeit entwickelte. Später zog er nach der Normandie.