Das grossartige Wirken der 1713 gegründeten Didot'schen Buchdruckerei gehört der folgenden Periode an.
Die kgl. Buch-
druckerei.
Es ist mehrfach angenommen worden, König Franz i. habe die königl. Buchdruckerei gestiftet; dem ist nicht so, und das Verhältnis der „Königlichen Buchdrucker“ zu ihm ist schon oben klargelegt. Er förderte die Kunst durch Unterstützung einzelner hervorragender Drucker in dieser oder jener Richtung, wo es über die Kräfte des einzelnen gegangen wäre, die notwendigen Opfer zu bringen. Das Verdienst, die königliche Buchdruckerei gegründet zu haben, gehört Ludwig xiii. und dem Kardinal Richelieu[6].
Im Jahre 1631 hatte der zuletzt Genannte den Druck der liturgischen und heiligen Schriften in verschiedenen, auch orientalischen Sprachen, einem Consortium von Pariser Buchdruckern übergeben, unter der Bedingung, dass eine Anzahl von Exemplaren zu Missionszwecken der Regierung gratis zur Disposition gestellt würde. Der Verein veröffentlichte auch mehrere solche Bücher in arabischer Sprache, die Muselmänner wollten sie aber nicht annehmen, und Selim i. erneute das strenge Verbot Bajazet ii. (vgl. S. 76). Der Verein entsprach überhaupt nicht den Absichten des Kardinals und hatte selbstverständlich zunächst seinen eigenen Vorteil vor Augen. Richelieu fasste nun 1640 den Entschluss, eine Staatsanstalt, Die königliche Buchdruckerei, zu errichten.
Die königliche
Buchdruckerei.
Eine Grundlage war schon in den griechischen Schriften Franz i. vorhanden gewesen, welche durch die Erwerbung der orientalischen Schriften Savary de Brèves' bedeutend vermehrt worden war. Der Genannte war 1589 als französischer Gesandter nach Konstantinopel gegangen, lebte dort eine lange Reihe von Jahren und hatte grosses Interesse für orientalische Litteratur gefasst, eine bedeutende Manuskripten-Sammlung angelegt und arabische, persische und syrische Typen schneiden lassen, im ganzen über 1600 Stempel. Von Konstantinopel zurückgekehrt, liess er mit seinen Typen 1613 in Rom, 1615 in Paris drucken, wo mehrere Werke ex typographia Savariana erschienen.
Savary de Brèves starb bereits 1627. Von mehreren Seiten erstrebte man die Erwerbung der Typen, es gelang jedoch 1632 dem Buchdrucker Antonius Vitré, diese und die Manuskripte im geheimen Auftrag des Königs, der früher vergeblich 27000 Livres geboten hatte, für die höchst mässige Summe von 4300 Livres anzukaufen.
Zwischen Vitré einerseits und den Erben de Brèves' und der Regierung andererseits entstanden sehr langdauernde unerquickliche Differenzen; schliesslich kamen die Typen nach dem Tode Vitrés 1691 definitiv in den Besitz der königlichen Druckerei, welche sie den Pariser Buchdruckern zur Disposition stellte. Die Typen waren bereits von Vitré zum Druck der Polyglott-Bibel des Präsidenten le Jay benutzt. Diese Bibel in hebräischer, samaritanischer, chaldäischer, griechischer, syrischer, lateinischer und arabischer Sprache ist eins der merkwürdigsten Druckerzeugnisse des xvii. Jahrhunderts. Jay opferte mehr als 100000 Thaler für dieses Werk und ruinierte sich vollständig. Es lag, wie man berichtet, ganz in seiner Hand, diesen Schlag abzuwenden, wenn er sich dazu verstanden hätte, dem Kardinal Richelieu die alleinige Ehre als Urheber einzuräumen; er wollte jedoch diese sich nicht nehmen lassen.
Die königliche Buchdruckerei ward auf das beste im Louvre eingerichtet und Sebastian Cramoisy zum Direktor ernannt. Richelieu hatte namentlich Missionszwecke vor Augen und man begann daher mit dem Drucke von Andachtsbüchern, die gratis verteilt werden sollten. Die Wirksamkeit nahm aber bald eine typographisch grossartigere Richtung an und man lieferte in dem ersten Jahrzehnt an 100 Werke, die mit dem grössten Luxus und aller Sorgfalt ausgeführt, teilweise mit Stichen und Vignetten der besten Künstler, selbst eines Nic. Poussin, geschmückt waren.