Die königliche
Buchdruckerei.
Im Jahre 1692 bestimmte Ludwig xiv., der sich nicht weniger als sein Vorgänger für die kgl. Druckerei interessierte, dass ein grosses Werk: Description et perfection des arts et des metiers, von welchem der erste Band die Buchdruckerei, die Schriftgiesserei und die Buchbinderkunst umfassen sollte, herauszugeben sei. Dieser Band, der einzige, welcher überhaupt erschien, entsprach jedoch gerechten Erwartungen nicht. Wichtiger war die Bestimmung des Königs, dass eine besondere französische Schrift gezeichnet und geschnitten werden sollte, welche nur in der königl. Druckerei Verwendung finden dürfe. Zwar waren die, s. Z. von Claude Garamond geschnittene, vortrefflich, man fand jedoch den Duktus etwas veraltet. Eine Kommission von Akademikern wurde ernannt, die sich mit dem Schriftschneider Philipp Grandjean in Verbindung setzte, in welcher ihm erst sein Schüler Jean Alexandre 1723, dann dessen Schwiegersohn Louis Luce folgten. Die neue prachtvolle Schriftengarnitur, welche 1745 vollendet wurde, leidet an einer kleinen Geschmacklosigkeit. Die Schrift sollte, wie erwähnt, nur für die kgl. Druckerei sein; man musste deshalb für sie etwas eigentümliches erfinden. Dies bestand in einigen Strichelchen, welche einer Anzahl Buchstaben angehängt wurden. Diese Geschmacklosigkeit hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Die erste Verwendung fand diese Schrift 1702 in einem Prachtwerke Médailles sur les principaux événements du règne de Louis le Grand[7].
Die königliche
Buchdruckerei.
Aus den erwähnten Jahreszahlen ist bereits ersichtlich, dass Ludwig xiv. nicht die Vollendung der von ihm angeregten Verbesserungen erlebte. Für die Anstalt blieb dies ohne weitere Folgen, denn der Regent sowohl als der junge König Ludwig xv. waren der Druckkunst wohlgesinnt. Der letztere hatte sogar in den Tuilerien für seinen persönlichen Gebrauch eine kleine Buchdruckerei, aus der ein Werkchen: Cours des principaux fleuves et rivières de l'Europe composé et imprimé par Louis XV, roy de France et de Navarra. Paris 1718, stammt.
Die griechischen Typen des Néobar und Stephanus wurden restauriert, hebräische geschnitten und die Anfertigung chinesischer Typen unter der Aufsicht des Herrn de Fourmont angeordnet, womit der Anfang schon 1742 gemacht wurde, während die Vollendung des im ganzen missglückten Unternehmens sich jedoch weit über die Grenze unserer Periode hinauszog.
Wie Ludwig xiv. die Vollendung des sorgfältig Angebahnten nicht erlebte, so auch nicht der verdienstvolle Direktor Sebastian Cramoisy. Er starb i. J. 1669; sein Nachfolger und Enkel Marbre-Cramoisy, ein eben so tüchtiger Mann wie der Grossvater, 1687. Diesem folgte der bekannte Lyoner Buchdrucker Jean Anisson, der 1709 sein Amt zugunsten seines Schwagers und Associés, Claude Rigaud, niederlegte; nach ihm traten wieder die Anissons ein.
Die grossartigen Werke alle aufzuzählen, die aus der königlichen Anstalt hervorgegangen sind, ist nicht möglich, erwähnt seien nur die Biblia sacra in 8 Folio-Bänden; die Concilia generalia etc., 37 Bde.; Scriptores historiæ Byzantinæ, 29 Bde.; Gallia christiana, 13 Bde., alle in Folio; Buffon, histoire naturelle, 33 Bände in Quarto.
Als ein Zeichen des Ansehens, worin die Buchdruckerkunst stand, kann es gelten, dass die Sitzungen der von Richelieu gegründeten französischen Akademie bei ihrem Buchdrucker und Buchhändler, Jean Camusat, stattfanden, der öfters als Repräsentant der Akademie verwendet wurde. Bei seinem Tode 1639 veranstaltete dieselbe eine Leichenfeier, ausserdem ehrte man sein Andenken, indem man seiner Witwe die Funktionen als Buchdrucker der Akademie liess, gegen den Willen Richelieus, welcher diesen Posten Cramoisy zugedacht hatte.
Doch, wie erwähnt, das wahre belebende Prinzip, die allgemeine gesunde freiheitliche Bewegung, fehlte und konnte nicht durch persönliche Vorliebe der regierenden Häupter ersetzt werden; der Verfall der Buchdruckerei in Frankreich wurde zwar lange aufgehalten, konnte jedoch nicht abgewendet werden, als die Revolution und dann die Reaktion über Frankreich hereinbrachen.