Lyon.
In Frankreich spielte ausserhalb Paris nur Lyon[8] eine wichtige Rolle in der typographischen Geschichte Frankreichs, namentlich durch die Produktion einer grossen Anzahl illustrierter Werke. Es entstand eine besondere Holzschneiderschule, deren berühmtestes Mitglied Salomon Bernard war. Auch Werke deutscher Künstler erschienen in Lyon, vor allen anderen zu nennen Holbeins „Totentanz“ und dessen Illustrationen zu dem Alten Testament. Von der Bedeutung des dortigen Druckgewerbes kann man sich daraus eine Vorstellung machen, dass bei dem Einzug Heinrichs ii. in Lyon, 1548, nicht weniger als 413 Drucker, prachtvoll kostümiert, ihn im festlichen Aufzug empfingen.
Jean Grandjon.
Ausser durch seine illustrierten Werke zeichnete Lyon sich durch schöne Schriften aus. Jean Grandjon lieferte 1558 eine Cursivschrift, die berühmt geworden ist. Er suchte die Feinheit der Federzüge nachzumachen in ähnlicher Weise wie es in der Theuerdanktype der Fall war. Auch das Binden der Bücher erreichte, namentlich durch das Interesse, welches Joh. Grollier daran nahm, hier eine grosse Vollkommenheit (vergl. S. 215).
Seb. Gryphius.
Zu den bedeutendsten Buchdruckern Lyons zählte Sebastian Gryphius (1528-1566). Er war zu Reutlingen geboren und einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit, der eine grosse Anzahl nützlicher Bücher in lateinischer, griechischer und hebräischer, dagegen nur wenige in französischer Sprache herausgegeben hat. Sein Sohn Anton, ebenfalls ein sehr unterrichteter Mann, aber im Geschäft unpraktisch, starb arm.
Jean de Tournes.
Ein Schüler von S. Gryphius war Jean de Tournes (geb. 1504, gest. 1564). Er stattete seine Bücher reichlich mit künstlerischem Schmuck aus. Besonders hervorzuheben sind: Delectus amicorum; Ovid; mehrere Ausgaben der Bibel und des Neuen Testaments. Er starb an der Presse arbeitend. Der Sohn Jean de Tournes war noch gelehrter als der Vater, kam ihm aber als Buchdrucker nicht gleich. Der Reformation ergeben, wurde er eingekerkert, sein Haus geplündert, seine Bücher verbrannt und seine Papiere verwüstet. Zwar kam er mit dem Leben davon, als aber Heinrich iii. Todesstrafe über die Bekenner der neuen Lehre aussprach, zog er nach Genf und gründete dort eine Buchhandlung und Buchdruckerei, die bald in Flor kamen.
Steph. Dolet.
Das Leben des unglücklichen Stephan Dolet[9] (1508/09-1546) gehört mehr der Litteratur-, als der typographischen Geschichte an. Dolet stammte aus einer angesehenen Familie in Orleans, genoss einer ausgezeichneten Erziehung, und zählte unter die gelehrtesten Männer damaliger Zeit. Sein stürmischer Charakter und die Kühnheit seiner religiösen Ansichten stürzten ihn in Ungelegenheiten aller Art. Von Toulouse verbannt, flüchtete er nach Lyon und wurde Korrektor in Gryphius' Offizin, wo er wahrscheinlich die Kunst lernte. Bereits 1536-1538 druckte Gryphius das bedeutendste Werk Dolets: Commentarii linguæ latinæ. Nachdem er in einem Streit den Maler Henri Guillot getötet hatte, war er gezwungen, Lyon zu verlassen, erhielt jedoch durch die Protektion der Königin Margaretha von Valois und vieler mächtigen Freunde die Erlaubnis, nach Lyon zurückzukehren, wo er 1537 eine Druckerei errichtete, aus der viele geschätzte Werke hervorgingen. Seine scharfe Feder schaffte ihm überall Feinde, mit seiner Kollegenschaft überwarf er sich, indem er in Lohnstreitigkeiten sich auf die Seite der Gehülfen stellte. Mehrmals eingekerkert, flüchtig geworden, dann wieder zurückgekommen, wurde er angeklagt, Schriften zugunsten der Reformation gedruckt zu haben, und am 3. Aug. 1546 in Paris lebendig verbrannt.