1736 begann Fournier le jeune, Bruder des Besitzers des le Béschen Geschäfts, eine Schriftgiesserei eigentümlicher Art, indem er selbst alle Schriften derselben zeichnete, schnitt, abschlug und justierte, wozu er etwa 30 Jahre gebrauchte. Er schrieb das bereits erwähnte Manuel typographique (2 Bde. Paris 1764), dessen zweiter Band, fast nur systematische Schriftproben enthaltend, uns ein ziemlich klares Bild von dem damaligen Stande des Typenwesens giebt. In dem ersten Band entwickelt Fournier sein, 1737 aufgestelltes, System des typographischen Punkts, welches, später von Didot fortentwickelt, die Einheit in der französischen Schriftgiesserei zuwege brachte[10]. Zwar bestand ein Reglement v. 28. Febr. 1723 sowohl in Betreff der Schrifthöhe als der Progression der Schriftkegel. Dieses wurde hinsichtlich der Höhe (10½ geom. Linien) nicht beachtet, so dass letztere bis auf 10% differierte, und für die Kegel fehlte eine „Normal-Einheit“, von welcher man auszugehen verpflichtet war, so dass das Reglement gar keinen Nutzen erzielte.
In der STEREOTYPIE hatte der Buchdrucker Valeire bereits zu Anfang des xviii. Jahrh. Versuche gemacht und einen Kalender von Messingplatten gedruckt. Die Typen wurden in Thon eingepresst; da die Tiefe jedoch nicht gleichmässig war, konnten die Platten es auch nicht werden.
Die Buchbinder-
kunst.
Eine hohe Stufe erreichte die Buchbinderkunst. Als Förderer derselben steht obenan der erwähnte Jean Grollier, Vicomte d'Aguisy (1479-1565), Schatzmeister unter mehreren französischen Königen. Er hatte in Italien schöne Einbände lieben gelernt, ahmte sie nach und veredelte sie. Er liess die Bücher in seinem Hause binden und legte selbst Hand mit an. Die Bände Grolliers mit der Devise: J. Grolliero et amicis gelten noch heute als Edelsteine der Buchbinderkunst und werden mit den höchsten Preisen bezahlt. Mit Grollier übernimmt Frankreich die Führung in der Buchbinderei und behauptet sie. Ausgezeichnet in seinen Bänden war der Zeitgenosse Grolliers, Geoffr. Tory. Als würdiger Förderer gegen Ende des xvi. Jahrh. erwies sich Ch. A. de Thou, Direktor der königlichen Sammlungen. Während Grolliers und Torys Bände phantastische arabische Ornamente zeigten, sind die Fonds der meist in Maroquin ausgeführten Bände de Thous hauptsächlich mit an die Natur sich anschliessenden Verzierungen: Lorbeer-, Öl- und Eichenzweige gefüllt, während die Ornamente in die Zwischenräume der Ranken verwiesen sind. Die Bände de Thous sind ausserordentlich gesucht und mit bis zu 15000 Fr. bezahlt. Ebenfalls geschätzt und selten sind die bei weitem einfacheren gleichzeitigen Bände des Königs Franz i. Sie sind meist in schwarzes Leder oder Sammet gebunden, nur mit der königlichen Chiffre und einem Salamander in Gold geschmückt.
Bibliothek der
Diana v. Poitiers.
Prächtig und sehr geschmackvoll sind die Bände des Königs Heinrich ii., namentlich diejenigen, welche er für seine Geliebte, die geistreiche Diana von Poitiers, herstellen liess. Das für sie mit Aufwand aller künstlerischen Ausschmückung eingerichtete Schloss Anet enthielt eine Sammlung von gegen 800 in Ziegen- oder Schafleder gebundenen Bänden. Sie sind reich mit Symbolen der Liebe ornamentiert, z. B. den verschlungenen Anfangsbuchstaben H und D, zu welchem letzteren noch galanterweise das Zeichen der jungfräulichen Göttin Diana, die Mondsichel, gefügt wurde.
le Gascon.
Unter den späteren Meistern ist le Gascon, der Buchbinder der Königin Anna von Österreich, berühmt geworden. Er war durchaus originell, verzichtete auf die Wirkung verschiedener Farben und wendete nur einfache Goldpressung auf dem einfarbigen Untergrund an; die leeren Stellen zwischen den Linien wurden mit Punkten oder kleinen Ornamenten ausgefüllt. Seine Hauptepoche fällt in die Zeit von 1640-1655.