Als Ersatz für die Vielfarbigkeit suchte man dem Leder durch künstliche Texturen und neue Färbungen Abwechselung zu geben; so erhielt der rote Maroquin den Charakter der schuppigen Schlangenhaut, in welcher Weise die Bücher des Ministers Colbert gebunden wurden, man ahmte Marmor, Granit, Stoffe nach, verliess die Pflanzenornamente und die Arabesken, imitierte durch Punkte Spitzenmuster oder überspannte die Decken wie mit goldenen Spinnengeweben.

du Seuil, Pade-
loup, Derome.

Zu Anfang des xvii. Jahrh. wirken du Seuil, Padeloup und Derome. Die Goldpressung wird übermässig angewendet. In der Ornamentierung herrscht Zerfahrenheit. Um 1750 tritt noch eine anmutige Art der Goldpressung auf: Vögel, die sich in Ranken wiegen oder um diese herumflattern. Der Üppigkeit der Zeit gemäss werden die Deckel mit Atlas oder Sammet überzogen und mit Gold-, Silber- und anderen Stickereien geschmückt, sogar die Gobelins werden der Buchbinderei dienstbar. Man verfällt aber nach und nach in Geschmacklosigkeit und geht in dieser so weit, beide Deckelseiten und den Rücken mit einem fortlaufenden Bild zu überziehen. An Stelle des reichen Vorsatzes tritt farbiges marmoriertes, gefedertes oder verschiedene Stoffe nachahmendes Luxuspapier. Schon zu Anfang des xviii. Jahrhunderts macht sich der Papierüberzug als Ersatz für das Leder bemerkbar und die Periode des Halbfranzbandes beginnt.

[1] P. Dupont, Histoire de l'imprimerie. 2 Bde. Paris 1854. — A. Tarbouniech, Les livres d'heures. Paris 1865. — J. Renouvier, Des gravures en bois dans les livres d'A. Vérard. Paris 1859. — J. Renouvier, Simon Vostre. Paris 1862. — G. A. Crapelet, Des progrès de l'impr. en France etc. Paris 1836. — A. Bernard, Ant. Vérard. Paris 1860. — A. Bernard, Ant. Vitré. Paris 1857. — A. Vérard, Renseignements sur le prix des miniatures et des imprimés sur velin au XV siècle. Angoulême 1859.

[2] Auguste Bernard, Geofroy Tory, Peintre, graveur etc. 2. Ed. Paris 1869. Es ist ein Verdienst des deutschen Buchhändlers Edwin Tross, auf die allgemeine Anerkennung der grossen Bedeutung Torys eingewirkt zu haben.

[3] H. Cohen, Les livres à vignettes du XVIII Siècle. Paris 1873.

[4] E. Hoyois, Notice sur Jose Bade. Mons o. J.

[5] F. J. Almeloven, De vitis Stephanorum dissertatio. Amsterdam 1633. — A. A. Renouard, Annales de l'imprimerie des Estienne. Paris 1837. — Aug. Bernard, Les Estienne et les types grecs de François I. Paris 1856.

[6] Aug. Bernard, Histoire de l'imprimerie Royale du Louvre. Paris 1867. — F. A. Duprat, Histoire de l'impr. Royale de France. Paris 1851.

[7] Bei der grossen Bedeutung, welche diese Schrift in der Geschichte der Typographie einnimmt, sei es gestattet noch einige Einzelheiten zu erwähnen. Sie besteht aus 21 Graden mit den dazu gehörenden Cursivschriften und den grossen Initialen (lettres de deux points). Der St. Augustin-(Mittel-)Kegel, mit dem das oben erwähnte Werk Description etc. gesetzt wurde, war der erste Grad, der als Prototyp für alle die anderen Grade diente. Der Punkt der kgl. Druckerei bildet den 6. Teil einer Linie des pied du roi; 2½ Punkte gleichen einem Millimeter. Die besonderen Kennzeichen sind, dass an einigen der gemeinen Buchstaben, namentlich den hinauf- oder heruntersteigenden, oben resp. unten, quer über den Grundstrich durchgehende horizontale Strichelchen statt der damals üblichen einseitigen, etwas schrägen Striche angebracht sind, und dass das l einen kleinen Ansatz an der Mitte der linken Seite des Striches bekam, welcher dem Buchstaben das Aussehen giebt, als hätte die Mater an dieser Stelle einen kleinen Fehler gehabt.