DAUERTE es auch lange, ehe die Buchdruckerkunst in dem jetzigen Belgien und Holland recht heimisch wurde, so trieb sie, einmal dorthin verpflanzt, um so tiefere Wurzel; die Blütezeit derselben währte viel länger als in Deutschland, der Verfall war dort nie so gross als hier.
Die typographi-
schen Eigentüm-
lichkeiten.
Dieselben Eigenschaften, welche die niederländische Malerkunst auszeichnen, die grosse Sauberkeit der Ausführung und die über alle Einzelheiten sich erstreckende minutiöse Sorgfalt, kennzeichnen auch die dortige Typographie. Gleich den malenden Künstlern des Landes verfolgten die Buchdrucker und Verleger im allgemeinen eine realistische Tendenz. Sie veranstalteten eine Menge für das Leben und die Wissenschaft nützlicher Werke, huldigten jedoch selten der idealen Richtung, welche vorzugsweise in Deutschland, jedoch auch in Frankreich und Italien, durch Zusammenwirken des Griffels der Künstler mit der Feder des Schriftstellers die uns bekannt gewordene Reihe prächtiger Erzeugnisse des Buchgewerbes hervorgebracht hat.
Die Illustration.
Dennoch blieben die Niederländer nicht ohne Verdienste um die vervielfältigenden Künste, doch machen sich diese hauptsächlich in dem Kupferstich und der Radierung, weniger in der mit dem Buchgewerbe enger verbundenen Xylographie, geltend.
Deutschlands Albrecht Dürer stellen sie ihren Lucas van Leyden (Dammetz, geboren 1494, gestorben 1533) entgegen. Er lieferte etwa 200 Stiche; für den Holzschnitt ist seine Thätigkeit eine unbedeutende. Im Clair-obscur-Druck zeichnen sich aus: Hubert Goltz (geb. 1524, gest. 1583), dessen Icones imperatorum Romanorum in Kupferstich mit aufgedruckten Holzschnittplatten ausgeführt sind; Abraham Bloemaert (geb. 1567, gest. 1647); und Heinr. Goltzius. Dieser nähert sich in mancher Hinsicht Luc. van Leyden. Schon 1523 erschien bei Dodo in Amsterdam eine Passion in 62 Blättern von einem ungenannten Künstler (Joh. Walter von Assen?), welcher ein Jahrhundert vor Rembrandt in der bekannten Manier dieses Künstlers zeichnete. Rembrandt selbst (geb. 1606, gest. 1665) hat sich im Holzschnitt versucht und Joh. Livens (geb. 1607, gest. 1663), sowie Dirk van Bray (gest. 1680) ahmten mit Glück seinen Stil im Holzschnitt nach, während Rubens' Zeichnungen einen tüchtigen Dolmetsch in dem Holzschneider und Zeichner Christoph Jegher fanden, einem geborenen Deutschen, der 1620-1660 in Antwerpen wirkte.
Eine Notiz von K. v. Heinecken hat zu vielen Debatten über einen mystischen frühesten Xylographen der Niederlande „Phillery“ Anlass gegeben. Allem Anschein nach schrumpft derselbe zu einem erst in den zwanziger Jahren des xvi. Jahrh. lebenden Holzschneider „Willem“ zusammen und beruht der Name Phillery wohl nur auf undeutlichen Schriftzügen.
Als Träger der Buchdruckerei erblicken wir in den Niederlanden wie in Italien und Frankreich mehrere berühmte Familien, vornehmlich die der Plantin, der Blaeu und der Elzeviere.
Blühende Lage
Antwerpens.