Das blühende und mächtige Brügge hatte auf Grund seiner Haltung gegen den Kaiser Maximilian i. seine Privilegien verloren, die auf ANTWERPEN übertragen wurden. Hierdurch hatte die letztere Stadt seit dem Beginn des xvi. Jahrhunderts einen grossen Aufschwung als Depot zwischen Nord und Süd genommen. Auch die Buchdruckerei behauptete dort eine angesehene Stellung, und es erschienen viele wertvolle und gut ausgestattete Werke. Unter Karl v. erreichte die Stadt ihre höchste Blüte, ward jedoch zugleich ein Angelpunkt für die reformatorische Bewegung in den Niederlanden, welche, nachdem Karl v. am 25. Okt. 1555 die Regierung zugunsten seines Sohnes Philipp ii. niedergelegt hatte, so schwere Zeiten über das Land heraufbeschwören, jedoch auch ihre Freiheit begründen sollte.
Christ. Plantin.
Inmitten der politischen und religiösen Gährung liessen sich, um das Jahr 1550 herum, Plantin und seine Frau Johanne Rivière in Antwerpen nieder. Christoph Plantin[1], in Mont-Louis bei Tours in Frankreich geboren, hatte bei Robert Macé in Caen gelernt und eröffnete nach vielen Reisen einen kleinen Buchladen mit Buchbinderei, während seine Frau mit Leinen-Waren handelte. Der Gerichtsschreiber Graphäus gab Plantin seine Bücher zu binden und machte ihm kleine Vorschüsse. 1550 wurde er als Buchdrucker in die St. Lucas-Gilde aufgenommen, aber erst 1555 hatte er in dem von ihm angekauften Hause auf dem Freitagsmarkt eine vollständig eingerichtete Offizin.
Sorgsamkeit
Plantins.
Eifersüchtig auf den Ruhm derselben, sorgte er für die schönsten Schriften und den besten Druck. Wennauch die Verwendung silberner Typen in das Reich der Fabel gehört, so steht es doch fest, dass er in seiner Giesserei mit dem Guss solcher experimentiert hat. Plantin gehörte auch nicht zu den Druckern, die, nach dem Ausspruch des Erasmus, „lieber 6000 Fehler, wie Ameisen, in ihren Werken herumkribbeln sehen, als einen tüchtigen Korrektor bezahlen“; im Gegenteil, er hatte sich die Worte Heinrich Stephanus', dass „die Korrektur das für die Druckerei ist, was die Seele für den Leib“, zu eigen gemacht. Überhaupt verstand er, wennauch nicht in Besitz tiefer Kenntnisse, als vorzüglicher Praktiker, dabei zäh ausdauernd in der Durchführung seiner Pläne, die Talente Anderer zu benutzen.
Sein Korrektor
Corn. van Kiel.
Der erste seiner Korrektoren war der berühmte Cornelius van Kiel, oder Kilianus (geb. um 1528, gest. 15. April 1607), der während seines fünfzigjährigen Wirkens in dem Plantinschen Hause sehr zu dem Ruhme desselben beitrug. Über alle Beschreibung anspruchslos, dachte van Kiel nie daran, sich selbst geltend zu machen, zufrieden wenn nur das Haus, an das er seine Existenz geknüpft hatte, gedieh.
Th. Pullmann.
Eine zweite Stütze hatte Plantin in dem gelehrten Theodor Pullmann (geb. um 1510), von Profession ein Walkmüller, jedoch von seiner Jugend ab den Wissenschaften mit Leidenschaft ergeben. Leider führte diese ihn in seinem Emendieren der Klassiker zu weit, und oft füllte er die Lacunen in kühnster Weise aus. Auch mit dem berühmten Justus Lipsius stand Plantin in engem geschäftlichen Verkehr.