Franz Raphelin-
gius.
Einen Hauptmitarbeiter im Geschäft fand Plantin in Franz Raphelingius. Derselbe hatte in Paris eifrigst griechisch und lateinisch getrieben und seine Studien in Cambridge vollendet. Plantin nahm ihn nicht allein als Korrektor auf, sondern gab ihm auch seine älteste Tochter Margaretha zur Ehe. Als Plantin, 1582, das belagerte Antwerpen verliess und das Geschäft in Leyden eröffnete, leitete Rapheling die Stammoffizin und trieb zugleich den Buchhandel. Nach der Rückkehr Plantins nach Antwerpen übernahm dagegen Rapheling das Geschäft in Leyden und wurde an dortiger Universität Professor der hebräischen Sprache. Er war ein Mann von bedeutenden Kenntnissen und ein unermüdlicher Mitarbeiter an dem grossen Bibelwerke Plantins.
Eine geschäftlich noch kräftigere Stütze fand Plantin in Johannes Moretus (Jean Moerentorff), geboren in Antwerpen am 22. Mai 1543. Anfänglich Arbeiter bei Plantin, gefiel er, wenn er auch dessen Ideale von einem Buchdrucker nicht vollständig entsprach, doch durch seine praktische Tüchtigkeit diesem noch mehr als der gelehrte Rapheling und er gab ihm seine zweite Tochter Martina zur Frau. Die dritte Tochter ward mit Gilles Beys, ebenfalls einem tüchtigen Buchdrucker, verbunden, welcher der Filiale des Geschäfts in Paris vorstand.
Biblia
polyglotta.
Das Werk, welches den Namen Plantin in der Buchdruckerwelt unsterblich gemacht hat, und in seinem Leben eben so eine Epoche bildet, wie der Thesaurus græcæ linguæ in dem Dasein des Heinr. Stephanus, ist die „Biblia sacra hebraice, chaldaice, græce et latine. Philippi II. reg. cathol. pietate et studio ad sacro sanctæ ecclesiæ usum Christoph Plantinus excud. Antwerpiæ“.
Die erste Idee eines polyglotten Bibelwerkes[2] stammt von Aldus Manutius, wie aus der in der National-Bibliothek zu Paris vorhandenen Probe hervorgeht (S. 179). Diese dreispaltige Seite enthält den hebräischen, griechischen und lateinischen Text und gab wahrscheinlich Veranlassung zu der in den Jahren 1514-1517 in Alcala in Spanien gedruckten Polyglotte des Kardinal Ximenes (S. 189), die bereits eine grosse Seltenheit geworden, sodass öfters der Gedanke entstanden war, eine neue Polyglottbibel zu drucken. Diesen Plan hatte auch der Kurfürst August von Sachsen gefasst, gab ihn aber zugunsten des Plantinschen Vorhabens auf. Auch Philipp ii. beabsichtigte ein ähnliches Werk ausführen zu lassen. Als Plantin ihm die Probebogen seines Unternehmens überreichen liess, ging er bereitwillig auf dessen Idee ein, bewilligte die Zahlung der für Druck und Papier allein auf 24000 Gulden veranschlagten Kosten, gewährte ausserdem einen Vorschuss von 6000 Dukaten und bestellte seinen Kaplan Arias Montanus als Überwacher der litterarischen Herstellung. Letzterer kam am 18. Mai 1568 nach Antwerpen und empfing vom König ausser seinem Gehalt noch einen Zuschuss von 300 Kronen jährlich; für die Textrevision wurde eine Anzahl tüchtiger Gelehrter gewonnen. Den Auftrag zur Anfertigung der Schriften erhielt der berühmte Schriftgiesser Wilhelm le Bé in Paris.
Druck der Poly-
glotte.
Der Druck begann im Jahre 1568 und dauerte bei fortwährender Beschäftigung von 40 Arbeitern bis zum Jahre 1572. Anfänglich war das Werk auf vier Bände berechnet; auf Plantins Vorschlag wurde jedoch noch das Neue Testament in der syrischen Sprache, welches bereits in Wien gedruckt war, mit einverleibt, so dass das Werk mit Inbegriff der drei Bände „Appendix“ aus acht Bänden besteht. Ausser 12 Pergament-Abdrücken wurden 1200 Exemplare gedruckt; 10 auf Imperial-Velin zu 40 Gulden das Ries; 30 Exemplare auf etwas geringeres; 200 auf Royal-Velin aus Lyon und 960 Exemplare auf Royal-Papier aus Troyes. Im Verhältnis zu den Kosten waren die Verkaufspreise mässig gestellt. Der Preis betrug für eins der 200 Exemplare auf Royal-Velin 40 Kronen, für ein gewöhnliches 35 Kronen[3].
Schwierigkeiten.
Ein mühsames Werk war vollbracht; Plantin selbst sagt: „Jetzt, wo die Bibel vollendet ist, stehe ich mit Überraschung und Erstaunen vor der Arbeit, welche ich nicht nochmals machen möchte, selbst wenn man mir 12000 Kronen dazu schenkte, und obwohl sie jetzt, wo die Schriften und die Einrichtung vorhanden sind, vielleicht um 6000 Kronen billiger zu stehen kommen würde“. Nimmt man seine Aussprüche buchstäblich, so war ihm nicht allein kein angemessener Vorteil, sondern sogar ein direkter Nachteil aus der Arbeit erwachsen; jedoch, Plantin war ein schlauer Geschäftsmann, der sich nicht gern tief in die Karten blicken liess.