Ohne Verdriesslichkeiten sollte es nicht abgehen. Der König wünschte die Approbation des Papstes Pius v. Dieser verweigerte sie jedoch entschieden und Plantin erhielt Ordre, vorläufig kein Exemplar auszugeben. Montanus musste im Auftrag des Königs nach Rom gehen, um womöglich die Angelegenheit zu ordnen. Er kam gerade an, als Gregor ix. den Stuhl des verstorbenen Pius v. eingenommen hatte und fand den neuen Papst günstiger für die Sache gestimmt. Die Approbation wurde 1572 erteilt. Hiermit waren jedoch die Anfechtungen nicht vorbei. Einer der erbittertsten Feinde des Unternehmens, der Professor León de Castro in Salamanca, denunzierte Plantin und Montanus der Inquisition. Montanus reichte seine Rechtfertigung ein, erhielt aber erst nach vier Jahren, 1580, insoweit Recht, dass das Buch dem Schicksal entging, auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt zu werden.
Plantin, Proto-
typographus.
Durch Patent vom 10. Juni 1570 wurde Plantin zum Prototypographus der Niederlande ernannt. Es handelte sich dabei nicht um einen blossen Ehrentitel. Er hatte die Rolle der Meister und Lehrlinge, sowie der autorisierten Korrektoren, Holzschneider und Kupferstecher zu führen, eine Liste über alle Werke, deren erster und letzter Bogen ihm behändigt werden mussten, anzufertigen, und sollte ausserdem die Bücherpreise bestimmen. Alle Änderungen in den Arbeiterverhältnissen waren ihm anzuzeigen. Die Mühen und Verdriesslichkeiten bei diesem Amte waren jedoch so gross, dass Plantin i. J. 1576 seine Entlassung nachsuchte. Einmal war er sehr nahe daran, die Gunst des Königs zu verscherzen, indem auf Veranlassung des Wiedertäufers Niclaes aus Münster, mit dem er in inniger Verbindung stand, mehrere ketzerische Schriften, angeblich freilich ohne Wissen des zufällig abwesenden Besitzers, in seiner Offizin gedruckt wurden. Über seine religiöse Überzeugung herrschte bereits lange einiger Zweifel, er verstand es jedoch so gut, sich wenigstens äusserlich als guter Katholik zu geben, dass er allen drohenden Gefahren entging.
Umfang von
Plantins Thä-
tigkeit.
Plantins Druckerthätigkeit blieb eine sehr grosse. Ruelens und Backers Annalen zählen von ihm 1031 Druckwerke auf, obwohl viele Bibelausgaben und Missalen nicht mit angeführt sind. Mit dem Missale Romanum von 1522 fängt eine Reihe von prachtvollen liturgischen Werken an, durch welche die Plantinsche Druckerei sich langezeit auszeichnete.
Schönheit seiner
Typen.
Die Typen des Plantin halten den Vergleich mit denen seiner Zeitgenossen, Aldus Manutius und Heinr. Stephanus, vollkommen aus. Seine Cursiv ist besonders elegant und nicht so schreibschrift-ähnlich, wie die Aldinische. Die Antiqua ist etwas derb und breit, jedoch für das Auge gefällig, leicht lesbar und den Schriften des Stephanus vollständig ebenbürtig. Die griechischen Schriften sind schöner als die des Aldus. Zu loben ist ferner die Genauigkeit des Gusses, einschliesslich des Durchschusses und der Quadrate. Die ganze Disposition der Titel, der Schriftkolumnen und der Vignetten zeigt Geschmack und Verständnis.
Plantins Druck-
zeichen.
Das erste, 1555 angenommene Druckerzeichen Plantins war ein Baumstamm, um welchen sich ein Weinstock schlingt, mit zwischen den Zweigen herabhängenden Trauben. Ein Weinbauer ist beschäftigt die schlechten Zweige abzuschneiden. Als Umschrift liest man Excerce imperium et ramos compesce fluentes[4]. Als Zeichen bedient er sich von 1558 ab des Zirkels, von einer Hand aus den Wolken geführt, mit der Inschrift: „Labore et constantia“. Zwei allegorische, schildhaltende Figuren versinnlichen des weiteren den Gedanken, worauf der Zirkel schon hinweist: der feste Teil desselben deutet auf die Beständigkeit in dem einmal Vorgenommenen; der bewegliche auf die rastlose Arbeit.
Plantins Tod.