Plantin starb am 1. Juli 1589, 75 Jahre alt. Sein letztes Werk war der i. Band der: Annales ecclestiastici Cæsaris Baroni Sorani.

Die Nachfolger
Plantins.

Nach seinem Tode übernahm Rapheling das Leydener Geschäft. Beys behielt die Pariser Filiale und Moretus die Antwerpener Offizin, deren Leitung er schon seit zwei Jahren besorgt hatte.

Johannes Moretus besass keine tiefergehenden Kenntnisse, verstand es aber die Verbindungen mit den vielen Gelehrten aufrecht zu erhalten. Als im Jahre 1592 die Vulgata in Rom gedruckt wurde, erhielt er durch päpstliches Breve vom 11. März 1597 für zehn Jahre das Alleinrecht, jenseit der Alpen das Werk zu drucken und zu verbreiten, unter der Verpflichtung, die grösste Sorgfalt auf Korrektur und Druck zu verwenden und durchaus keine Änderungen vornehmen zu lassen.

Balthazar Mo-
retus.

Unter der Leitung von dem Sohne des Johannes, dem gelehrten Balthazar Moretus, nahm die Plantinsche Druckerei noch durch lange Zeit eine hochangesehene Stellung ein. Gegen die Mitte des xvii. Jahrhunderts jedoch schwand die Bedeutung mehr und mehr, und mit dem Beginn des xviii. Jahrh. war der geschäftliche Glanz des Hauses erloschen. Äusserlich wurde jedoch alles mit grosser Pietät in dem alten Stand gelassen und das Haus mit allen seinen reichen Sammlungen, welche es, von dem grossen Publikum ungekannt und selbst für Auserwählte nur schwer zugänglich, umfasste, sorgfältig erhalten. Da wurden seitens der Verwaltung der Stadt Antwerpen Verhandlungen über die Erwerbung dieser typographischen Schatzkammer angeknüpft. Nachdem der Graf von Flandern die Initiative ergriffen hatte, zeigte sich die Staatsregierung geneigt, einen wesentlichen Anteil der Kosten auf sich zu nehmen, der aber später sehr zusammenschrumpfte. Schliesslich wurde i. J. 1875 ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem das Haus und die Sammlungen für 1200000 Franken, von welchen der Staat die 200000, die Stadt die 1000000, zahlte, in den Besitz der letzteren überging. Hiermit ist ein wahres graphisches Museum für alle Zukunft erhalten, welches mit jedem Jahr, das uns ferner von der früheren Geschäftsweise rückt, an Wert gewinnt. Es ist geboten, demselben in einer Geschichte der Buchdruckerkunst einige Seiten zu widmen.

Das „Hôtel
Plantin“.


Das HÔTEL PLANTIN, auf dem Freitagsmarkt gelegen, nimmt die eine Seite desselben ganz ein. Die Façade wurde durch Joh. Moretus restauriert, das alte Merkzeichen jedoch erhalten. Hat man die Thorschwelle überschritten, befindet man sich in einem Vestibule mit vier Eingangsthüren, zwei rechts, zwei links, während eine gut erhaltene Glasthüre das Vestibule von dem Hofe abschliesst. Eine besondere Zierde des ersteren ist das Medaillonporträt des Balthazar Moretus, darüber ein Adler, in der linken Klaue einen, zu dem Wappen der Moretus gehörenden, Stern haltend.

Der Hof.