Der Hof bildet ein grosses Viereck, von dessen vier Seiten drei ihr ursprüngliches Aussehen ganz behielten. Das Hauptgebäude besteht aus einem Erdgeschoss und zwei Etagen; der rechte Flügel aus zwei Etagen und einem Bogengang, der sich auch unter die Hälfte des Hintergebäudes erstreckt, das ganz von den Zweigen und Blättern eines dreihundertjährigen Weinstocks, zwischen welchen die mit Blei eingefassten Fensterscheiben sichtbar werden, überdeckt ist. Der linke Flügel, aus neuerer Zeit stammend, besteht aus Einer Etage. Büsten von Plantin, Johannes, Balthazar und Joh. Jak. Moretus, Just. Lipsius u. a. zieren die Façaden. Der ganze Hof übt in seiner Abgeschlossenheit einen besonderen Reiz aus, es ist, als könne von aussen keine Störung hier hineindringen. Nichts Verunstaltendes, nichts Zerfallenes, wennauch die Zeit dem Gemäuer ihr Gepräge aufgedrückt hat; man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt.

Der Setzersaal.

In der Werkstätte findet sich der Apparat für 20-25 Setzer vor. Die Setzkästen sind noch gefüllt, die Tenakel stehen noch darauf befestigt. Die Kästen sind nicht so hoch angebracht, wie bei uns, man arbeitete sitzend, und die Sessel stehen noch in den Gassen; an den Wänden hängen die Kolumnenschnuren. Es ist, als wäre die Arbeit nur von der üblichen Mittagspause unterbrochen und als müsste sie baldigst wieder begonnen werden.

Im Hintergrunde des Zimmers liegen auf verschiedenen Tischen: Linien in allen Grössen, Schiffe mit noch nicht umbrochenem Satz, Durchschuss u. dgl. Die hintere Wand ist von Aufsätzen mit Regletten und Keilen eingenommen. Zwei zum Druck fertige Formen lehnen an der Wand. Auch ein Stoss Papier steht noch da. An der linken Langseite sind sieben hölzerne Pressen aufgestellt.

Das Zimmer der
Korrektoren.

Durch zwei kleine Räume, von denen der eine das Arbeitszimmer des Just. Lipsius war, der andere die Revisionsbogen von verschiedenen Werken in bester Ordnung enthält, kommt man in das Zimmer der Korrektoren, ein längliches Viereck und einer der grössten Räume des Hauses. Alles steht noch auf seinem alten Platze, alles spricht von den grossen Arbeitern, deren Namen mit dem Ruhme des Hauses Plantin verbunden sind, und die hier viele Jahre in rastloser Wirksamkeit zugebracht haben. Zur Rechten steht eine enorme Truhe, gefüllt mit Briefen, Korrekturbogen, Manuskripten, weiter das Pult der Korrektoren, ein Meisterstück der Holzschnitzerei. Eine Seite desselben lehnt an der Mauer. An zwei Seiten sind Sitze mit hohen Rücklehnen und reichen Bildschnitzereien auf einem Podium angebracht, so dass man eine Stufe hinaufsteigen muss. Unter dem Pult befinden sich viele Fächer. Zwei mächtige Repositorien enthalten eine grosse Anzahl von Kästen, jeder derselben trägt den Namen einer der Städte, mit welchen Plantin Verbindungen unterhielt, und umschliesst die Aushängebogen der in Arbeit befindlichen Werke aus dieser Stadt und die darauf bezügliche Korrespondenz. Der übrige Wandraum ist mit Wandschränken und Regalen ausgefüllt, welche Pakete mit Vorratsschriften und Defekten zu den in Gebrauch befindlichen Schriftsorten enthalten; durch alles geht der Geist der genauesten Ordnung.

Bücherstube.


In dem obern Stock ist die Bücherstube für das Trocknen, das Abpressen und Komplettieren der Bücher. Hier steht auch ein Schatz von hohem Wert, ein Schrank, dessen Kästen eine bedeutende Anzahl, mit grösster Akkuratesse geordneter Geschäfts- und Familienbriefe bergen. Die Schriftgiesserei nimmt zwei Räume ein; der eine für das eigentliche Giessen bestimmt, der andere für das Schleifen, Fertigmachen und Verpacken. Auch das Firniskochen wurde hier besorgt. Ferner zeigt man eine Bronziermaschine. In diesen Räumen steht ebenfalls alles da, als ob die Arbeit eben aufgehört hätte. Das Handwerkszeug hängt an den Wänden, die Giessöfen enthalten Reste von flüssig gewesenem Metall. Probepakete, Stempel, Instrumente liegen umher. Auch einige silberne Buchstaben finden sich vor, jedenfalls Resultate von unpraktisch befundenen Versuchen, Typen aus diesem Metall zu formen.

Die Bibliothek.