Die grosse Bibliothek (es giebt auch eine kleine) ist ein längliches Viereck, dessen Wände, soweit sie nicht durch die Fenster unterbrochen werden, mit Regalen bedeckt sind. Durch die ganze Länge des Zimmers zieht sich ein Doppelpult, unten mit Fächern versehen. Hier lagern Bücher, Zeichnungen, Stiche nach Rubens, Teniers, van Dyck, Jordaens u. a., fast alle in den ersten Abdrücken vor der Schrift. Ein Album umfasst mehr als vierhundert Handzeichnungen der grossen Meister, darunter elf Rubens. Dreiunddreissig Familienporträts vollenden den Schmuck des Raumes.

Selbstverständlich bilden die Plantinschen Drucke einen wichtigen Bestandteil der Bibliothek, sie sind jedoch nicht ganz vollzählig. Die Zahl der Manuskripte kann man auf 200 anschlagen. Von Inkunabeln sind gegen 60 vorhanden. Die Zahl der sonstigen Bücher wird auf 9000 geschätzt, darunter eine auserlesene Sammlung von Missalen, Breviarien u. dgl.

Eine typographische Kuriosität ist ein Band, welchen Johann Moretus 1576 Plantin gewidmet hat, der eine Sammlung der Titel von allen bei Plantin bis zum Jahre 1576 gedruckten Büchern enthält, gewiss ein interessantes Musterbuch für Typographen. Von noch grösserem Interesse dürfte das Studium des Journals des Hauses und der Hauptbücher aus drei Jahrhunderten, 1566 bis 1865, sein. Mit letzterem Jahre hörte die Thätigkeit des Hauses auf, die bereits früher auf ein Minimum reduziert war.

Die Schriftstücke
und andere Sel-
tenheiten.

Ferner sind noch aufbewahrt: die Messabsatz-, die Arbeits- und die Buchbinderbücher, Kataloge der verschiedensten Art, sowie die Korrespondenz-Brouillons, geeignet Licht über manches zu werfen, was jetzt dunkel ist. Die Zahl der Holzstöcke beträgt mindestens 15000; die der Kupferstiche 7 bis 8000. Von den kostbaren Porträts aus den Meisterhänden Rubens', van Dycks und anderer, den prachtvollen Meubeln, den seltenen Porzellanstücken und von vielen anderen Kostbarkeiten wollen wir hier nicht reden. Abgesehen von diesen, bietet das Plantinsche Museum in typographischer Hinsicht ein so ungemeines Interesse, dass die typographische Welt sich zu der Opferwilligkeit der Bürgerschaft der Stadt Antwerpen Glück zu wünschen hat, welche diese Schätze der Zukunft erhielt.

Die Familie
Blaeu.

Eine zweite bedeutende Druckerfamilie war die der Blaeu in Amsterdam. Wilhelm Blaeu[5], geboren zu Alkmar im Jahre 1571, legte sich auf Astronomie und war ein Schüler und Freund des berühmten dänischen Astronomen Tycho de Brahe (S. 155). Blaeus Hauptthätigkeit war der Herausgabe astronomischer und Karten-Werke gewidmet. Selbst ein tüchtiger Mechaniker, richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Vervollkommnung der Druckpressen, deren neun, von verbesserter Konstruktion und nach den neun Musen benannt, in seiner Offizin aufgestellt waren. Die Verbesserungen bezogen sich namentlich auf den elastischen Zug. Blaeu starb am 21. Okt. 1638 und sein Sohn Johann (geb. 1596) setzte die Druckerei fort, zuerst in Verbindung mit seinem Bruder Cornelius, von 1641 ab allein. Im Jahre 1663 lieferte er einen prachtvoll ausgeführten Atlas in zwölf Grossfoliobänden, dem mehrere ebenso grossartige Werke folgten. Seine Offizin galt für die bedeutendste und schönste Europas, sie beschäftigte regelmässig über 40 Arbeiter namentlich mit dem Druck grosser Werke, mit Karten und Illustrationen, für deren Herstellung er einen besonderen Ruf hatte. Am 22. Febr. 1672 brannte die Offizin gänzlich ab. Die strenggläubigen Protestanten erklärten dies für ein Strafgericht des Himmels, weil Blaeu viele Breviarien und Missalen für die Papisten druckte. Er starb am 28. Dezember 1673 und wurde von seinen Söhnen Peter und Johann gefolgt.


Der Stammvater
der Elzeviere.

Es bleibt noch die berühmteste der holländischen Buchdruckerfamilien, die, wenn von den Leitsternen der Typographie die Rede ist, gewöhnlich mit den Geschlechtern des Aldus und des Stephanus zusammen genannt wird.