Ludwig Elzevier, der Stammvater des berühmten Geschlechts, ist zu Löwen in Brabant um das Jahr 1540 geboren. Aus den Arbeitsbüchern des Plantin geht hervor, dass ein Buchdrucker Johann aus Löwen mit dem Beinamen Helsevier bei ihm von 1565-1588 arbeitete. Ob dies Ludwigs Vater war, ist nicht ermittelt, doch ist es nicht unwahrscheinlich, da Ludwig sich schon in jüngern Jahren in Antwerpen aufhielt und ihm dort zwei Kinder Matthias (1564) und Ludwig (1566) geboren wurden. Die Mutter derselben hiess Mayke (Marie) Duverdyn. Die Hypothese in Bezug auf Ludwig Elzeviers Vater gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass Ludwig, der die Buchbinderei übte, von Plantin beschäftigt wurde, der, selbst früher Buchbinder, sich der Buchdruckerei und dem Verlagshandel mit so grossem Erfolge gewidmet hatte[6].
Lage der Prote-
stanten.
Antwerpen war, wie schon erwähnt wurde, der Herd der reformatorischen Bewegung in den Niederlanden geworden, von welcher auch Elzevier ergriffen wurde. Die scharfen Edikte des Kaisers Karl v., welche Todesstrafe für den Anschluss an eine sektiererische Verbindung feststellten, waren noch in Kraft, wenn sie auch unter der milden Regierung der Statthalterin Margaretha von Parma nicht so gefährlich waren. Die Lage änderte sich jedoch, als König Philipp ii. den Herzog von Alba (1567) mit dem Auftrag sandte, durch Feuer und Schwert jede Spur der Ketzerei zu vertilgen. Tausende von Familien verliessen den heimatlichen Herd; auch die Ludwig Elzeviers gehörte zu diesen und zog nach Wesel, wo zahlreiche Emigranten sich zusammengefunden hatten und von wo eine thätige Propaganda ausging. Viele Bücher und kleinere Schriften reformatorisch-agitatorischen Inhalts in vlämischer Sprache wurden dort gedruckt und von dort aus verbreitet, so dass Elzevier als Buchbinder auf Beschäftigung rechnen konnte.
Wie man über seinen Aufenthalt in Antwerpen hauptsächlich aus den Geburtsscheinen seiner Kinder Positives weiss, so auch über seine Existenz in Wesel und später in Douai. In Wesel wurde sein dritter Sohn, Aegidius; in Douai Justus und Arnold geboren. Nach seinem Vaterland ist er jedenfalls erst nach der Übernahme der Regentschaft durch Louis de Requesens i. J. 1574 zurückgekehrt, und mag wohl nur, weil in Antwerpen schon verdächtig, Douai vorgezogen haben, das seit 1462 eine wallonische Universität besass, die Philipp ii. als Gegengewicht zu den Universitäten in Genf und Paris mit ihrer freieren religiösen Bewegung errichtet hatte, so dass ein Buchbinder auch hier auf Erwerb rechnen durfte. Der Friede zu Gent, 1576, schien den religiösen Wirren ein Ende machen zu wollen; als sich jedoch die wallonischen Provinzen 1579 wieder unter das Joch Spaniens begaben, zogen die Protestanten, unter diesen Elzevier, wieder aus, letzterer nach Leyden, damals, nächst Amsterdam, die volkreichste Stadt Hollands, wo der Handel blühte und die von Wilhelm von Oranien begründete Universität einen raschen Aufschwung nahm.
Ludwig Elzevier
in Leyden.
Elzevier fand, als er 1580 mit seinen fünf Söhnen und einer Tochter Marie nach Leyden kam, eine Stütze bei den vielen emigrierten Landsleuten. Im übrigen kann er nicht ganz ohne Mittel gewesen sein, denn er erwarb bald zwei Häuser, von denen das eine auf der „Rapenburg“, in der Nähe der Universität gelegen war. Dass er für letztere beschäftigt war, beweisen viele Rechnungen. Die günstige Lage im Zentrum der Gelehrsamkeit veranlasste ihn den Buchhandel anzufangen, der bald einen ziemlichen Umfang genommen haben muss, wie man aus einem unerfreulichen Zusammenstoss mit Plantin erfährt. Elzevier war diesem für gelieferte Bücher 1270 Gulden schuldig und musste 1583 vor Gericht erklären, dass Plantin berechtigt sei, sich an seine beiden Häuser zu halten, wenn Zahlung in den übereingekommenen Terminen nicht erfolgen würde.
Elzevier wird
Pedell.
Elzevier hatte Gelegenheit gehabt, verschiedene bibliopolische Erwerbungen für die Universität in einer für diese vorteilhaften Weise zu machen, was auch Anerkennung fand, so dass er am 30. September 1586 zum Pedell mit 72 Gulden Gehalt ernannt wurde. Noch mehr sollte ihm aber die Gunst der Universität in indirekter Weise zustatten kommen. Elzevier konnte die oben erwähnten Verbindlichkeiten gegen Plantin nicht erfüllen und er musste seine Häuser diesem überweisen. In dieser Not richtete er das Gesuch an den akademischen Senat, auf dem Grund und Boden der Universität einen Laden errichten zu dürfen, weil es sehr zum Nachteil der Professoren und Studierenden gereichen würde, wenn er seinen Laden weit weg von der Universität verlegen müsste. Das Gesuch Elzeviers wurde zugestanden; bis 1595 besass er den Laden ganz umsonst, von da ab musste er 75 fl. Miete bezahlen. Dieser Laden war die Wiege des Glanzes der Elzeviere, jedoch hatte Ludwig noch lange mit Sorgen zu kämpfen. Erst das Jahr 1594, in welchem er Bürger von Leyden wurde, scheint den Wendepunkt zum Günstigen gebildet zu haben.
Ludwigs Kinder.
Seinen ältesten Sohn Matthias nahm er um 1590 als Teilnehmer auf, später den zweitjüngsten Bonaventura; der zweite Ludwig ging als Buchhändler nach dem Haag, der vierte Justus nach Utrecht. Der dritte Aegidius erscheint nur vorübergehend in dem Haager Geschäft, seine übrigen zwei Söhne, Arnold und Adrian, gehören so wenig wie seine zwei Töchter der Geschichte der Buchdruckerkunst an.