Sein Verlag und
seine Reisen.

Von seinen Verlagswerken erschien das erste 1592; nach 1594 folgten sie in ununterbrochener Reihe. 1595 wendete er zum ersten male das Insigne an: den Adler auf einer Säule, in den Klauen das Bündel mit sieben Pfeilen haltend und mit der Umschrift: Concordia res parvæ crescunt, wie bekannt die Devise der holländischen Republik. Um diese Zeit fängt auch sein regelmässiger Besuch der Frankfurter Messen an. Ludwig begriff sehr wohl, dass die Erzeugnisse des Geistes nicht auf den heimischen Markt sich beschränken konnten und suchte den ausländischen Markt auf. Er selbst war viel gereist und liess auch seinen Sohn Bonaventura noch jung auf Reisen gehen. Seit 1601 besuchte er regelmässig zweimal jährlich die Frankfurter Messe, wo er ein besonderes Depot hatte, ohne sich durch die damals mit solchen Reisen verbundenen vielen Mühseligkeiten und Gefahren abhalten zu lassen. Als die Buchmesse sich mehr und mehr nach Leipzig zog, folgte Elzevier dem Strom doch nicht, sondern fuhr fort, Frankfurt zu besuchen, wo er fast das Monopol für Versorgung Deutschlands mit ausländischer Litteratur hatte. Mit Paris unterhielt er ebenfalls regelmässige Verbindungen, obwohl der Verkehr dort mancherlei Beschränkungen unterworfen war.

Der Umfang seiner Geschäfte und das Zutrauen der Autoren zu ihm stiegen fortwährend. Nicht wenige der letzteren übergaben ihm ihre Werke in vielen Exemplaren zum Debit. Wenn deshalb sein Name öfters in Verbindung mit dem eines anderen Verlegers auf einem Titel vorkommt, so ist daraus nicht zu schliessen, dass es sich um eine Association handelte, sondern, dass ein Verleger ihm den Debit eines Werkes für das Ausland übertragen hatte.

Geschäftliche
Manipulation.

Bei seiner grossen Thätigkeit im Vertrieb war er nicht immer gar zu wählerisch in den Mitteln. Er kaufte öfters liegengebliebene Auflagen und versah sie, unter Benutzung seiner Firma, mit neuen Titeln; manchmal wurden einige Seiten neu angedruckt oder zwei Bände in einen verbunden, und dann solche als neue Ausgaben versandt. Kurz, es wurden verschiedene, auch noch heute im Buchhandel übliche Mittel angewendet, die man nicht gerade als Unrecht bezeichnet, die aber doch auch nicht zu den ganz soliden zählen. Dass sein persönlicher Charakter ein ehrenwerter war, dafür sprechen das grosse Zutrauen und die Auszeichnung, welche ihm von den Gelehrten, seinen Geschäftsfreunden und seinen Mitbürgern entgegengetragen wurden.

So war der Name Elzevier, noch ohne Hinzutreten des Elements, welches seinen eigentümlichen Ruhm begründen sollte, der Typographie, ein sehr gut renommierter geworden. Ludwig selbst sollte eine Buchdruckerei nicht besitzen, wohl aber erleben, dass sein Enkel Isaack, zweiter Sohn des Matthias, eine solche (1616) erwarb. Noch konnte man nicht auf den künftigen typographischen Ruhm schliessen, und die Werke, die Ludwig in den verschiedenen Offizinen ausführen liess, zeichneten sich in Nichts vor hundert anderen aus, wenn man auch später, als der Nimbus das Haus umgab, oft versucht hat, einen besonderen Wert herauszufinden, wo keiner vorhanden war.

Ende Ludwigs.

Ludwig näherte sich dem Ende seiner Laufbahn, auf die er mit Befriedigung zurückschauen konnte. Der unbekannte Handwerker war ein durch Europa angesehener Mann geworden. Vier Söhne hatten den Beruf des Vaters ergriffen; ein Enkel übte die Buchdruckerei; sie konnten sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig stützen und ergänzen. Sein neues Vaterland war in seiner Freiheit anerkannt, es war ihm beschieden, auch seinen religiösen Überzeugungen sich ruhig hingeben zu können.

Doch sollten seine letzten Tage noch in peinlicher Weise eine Störung erleiden. Ludwig hatte erlangt, dass sein Sohn Matthias 1607 ihm als Vicepedell adjungiert wurde. Am 11. Nov. 1616 wurde ein Teil der Universitätsgebäude vom Feuer zerstört und die Untersuchungsrichter gaben der Nachlässigkeit der Pedelle allein die Schuld. Matthias wurde seines Amtes enthoben; über Ludwig wurde der Beschluss noch nicht gefasst. Die Möglichkeit ist wohl nicht ausgeschlossen, dass dies Ereignis heftig auf ihn eingewirkt hat; Thatsache ist es, dass er gleich zu Anfang des Februar 1617 starb und am 4. Febr. neben seiner Frau, die ihm schon vor drei Jahren im Tode vorangegangen war, begraben wurde. Übrigens wurde Matthias in demselben Jahre wieder in sein Amt eingesetzt, das er bis zu seinem Tode behielt. 1636 war ihm das Recht zugestanden, sich durch seinen Schwiegersohn, Peter Caron, vertreten zu lassen.