Die Spielkarten.

Neben den Heiligenbildern, ja vielleicht noch vor diesen, war das Buch des Teufels, die Spielkarten, ein sehr gesuchter Artikel, der stark abgenutzt wurde. Schon um das Jahr 1300 wurden die Karten in Italien bekannt, kamen aber wahrscheinlich erst in dem letzten Viertel des xiv. Jahrh. nach Deutschland. Um der grossen Nachfrage zu genügen, benutzte man ein Druckverfahren, durch welches die Figuren (darunter auch Heilige) nach den Farben in Metallblätter ausgeschnitten und die Farben schablonenmässig auf das Papier getragen wurden. Später schnitt man die Umrisse in Holz, druckte diese und malte den inneren Raum aus[3].

Feststellung der
Schnitte.

Die Entscheidung über das Alter eines Metall- oder Holzschnittes ist eine schwierige Aufgabe. Kolorit, Technik, Papier, Kleidung der Figuren, die Art das Haar zu tragen, Bewaffnung u. s. w. müssen in Betracht gezogen werden, um den Ort und die Zeit der Entstehung festzustellen. Später kommt der Vergleich mit den wenigen datierten Drucken hinzu. Auch die Mundart der, von den Figuren ausgehenden Sprüche und die Form der, zu diesen benutzten Schrift gewähren Anhaltepunkte, letztere jedoch insofern weniger, als die Mönchsschrift sich ziemlich unverändert das xv. Jahrh. hindurch erhielt. Nach den erwähnten Merkmalen lassen sich die graphischen Kunsterzeugnisse vor Gutenberg in gewisse Schulen einordnen: die Schwäbische (Ulm, Augsburg); die Fränkische (Nürnberg, Nördlingen); die Bayerische (Freising, Tegernsee, Kaisersheim, Mondsee); die Niederrheinische (Köln, Burgund). Von diesen Schulen lieferten die beiden letzteren die besten Zeichnungen; die letzte ausserdem auch noch die besten Schnitte.

Fortschritte in
der Kunst.

Beim Fortschreiten der Kunst bekommen die Zeichnungen Andeutungen von Schattierung. Auf die einfachen Unterschriften der Bilder folgen ganze Sprüche, gewöhnlich Bibelstellen und Verse; oft in der Form von Devisen aus dem Munde einer Figur hervorgehend. Aus den Sprüchen werden schliesslich ganze Textseiten, die dem Bilde gegenüberstehen. Das Bedürfnis der weltlichen Belehrung führt schliesslich zu einem Buch ohne Bilder, dem Donatus. Aus den Briefmalern werden Briefdrucker (am Rhein printers genannt) und Formenschneider, welche Massen produzieren, von denen leider sehr vieles in der Zeit des dreissigjährigen Krieges vernichtet, einiges aber doch erhalten wurde[4].

Kunst-Zünfte.

Die Zünfte der Genannten standen oft in grossem Ansehen. Als die bedeutendsten sind zu nennen: die in Augsburg (1418), Nürnberg, Frankfurt a. M., Mainz, Köln, Lübeck. In Ulm sind um das Jahr 1410 schon Kartenmacher und Kartenmaler, Formenschneider jedoch erst 1441. In Brügge bestand 1454 eine Brüderschaft St. Johannis des Evangelisten, zu welcher Schreiber, Schulmeister, Buchhändler, Buchbinder, Bildermacher, Bildschnitzer, Illuminatoren, Holzdrucker, Formenschneider und Briefdrucker gehörten und die noch lange nach Erfindung der Buchdruckerkunst blühte. In Italien und Frankreich kannte man solche Vereinigungen erst im xvi. Jahrhundert; sie hiessen im letztern Lande: tailleurs et imprimeurs d'histoires et figures.

Reiberdrucke.

Noch druckte man nicht auf einer Presse, sondern das Papier wurde auf die Druckform, welche mit leichter Erdfarbe, später mit einer aus Lampenruss und Firnis gemischten Schwärze eingerieben war, gelegt. Mit einem harten Lederballen, der mit Pferde- oder Kalbshaaren gestopft war, strich man über die Rückseite des Papiers hin und her, ähnlich wie die Holzschneider mittels des Falzbeines ihre Probeabdrücke machen und wie die Chinesen noch heutigentages ihre Bücher drucken. Da der Reiber einen sehr starken Eindruck in dem Papier hinterliess, so konnte man nicht auf die Rückseite desselben nochmals drucken, sondern diese sogenannten Reiberdrucke sind nur einseitige (anopistographische). Um ein Blatt mit bedruckter Vorder- und Rückseite zu bilden, musste das Blatt umgebogen und an den beiden Rändern zusammengeklebt oder geheftet werden, wie es heut zu Tage noch bei den chinesischen Büchern der Fall ist.