Selbst nach Erfindung der beweglichen Typen hört der Tafeldruck nicht ganz auf, namentlich für Sachen, wozu kleinere Typen erforderlich, deren Guss noch zu schwierig war. In dieser Weise vertraten die Holzplatten zumteil die späteren Stereotypplatten. Man konnte die ersteren, deren Material so gut wie nichts kostete, bequem aufbewahren, um nach Bedürfnis Abdrücke zu machen, und hatte nicht nötig, den Aufwand an Papier für längere Zeit im voraus zu bestreiten. Nach Erfindung der Buchdruckerpresse konnte man selbstverständlich beide Seiten des Papiers bedrucken.
Die xylographi-
schen Werke.
Von den Tafeldrucken in Buchform, speziell Xylographische Werke genannt, sind etwa 30 auf unsere Zeit gekommen, von denen die umfangreichsten gegen 50 Blatt umfassen. Sie sind teils nur Bilder ohne Text, teils Bilder mit Text, schliesslich Text ohne Bilder. Von einigen sind die Federzeichnungen, welche der Anfertigung der Holzschnitte vorausgingen, erhalten, andere sind später typographisch ausgeführt, andere wieder xylographisch auf der Buchdruckerpresse gedruckt. Der grösste Teil ist religiösen Inhalts, der künstlerische Wert gewöhnlich unbedeutend. Wir nennen die hauptsächlichsten:
Ars moriendi. Eine Anleitung, selig zu sterben, in einer kompendiösen und in einer ausführlichen Darstellung (speculum artis bene moriendi). Das Buch schildert die Versuchungen des Menschen durch den Teufel, dem der Schutzengel entgegentritt. Der Stoff war ein sehr beliebter und das Buch wurde in allen germanischen und romanischen Sprachen bearbeitet. Der Verfasser ist nicht bekannt. Ein, früher im Besitz von T. O. Weigel in Leipzig befindliches, jetzt dem British Museum einverleibtes xylographisches Exemplar der ars moriendi gilt als die erste, zugleich die vollendetste Ausgabe. Sie besteht aus 12 Bogen kl. fol., in bräunlicher Farbe gedruckt. Die Schrift ist die Mönchsschrift. Die Konzeption und die Ausführung übertrifft in dem geistigen Ausdruck der Figuren und in kunstgerechter Handhabung des Messers alles, was von Kunstblättern des xv. Jahrh. bekannt ist. Allen Anzeichen nach stammt das Werk aus Köln, wo es auch aufgefunden wurde[5].
Die xylographi-
schen Werke.
Historia St. Johanni eiusque visiones apocalypticae oder „das Buch der haymlichē Offenbarungē Sant Johans“ war schon frühzeitig der Gegenstand bildlicher Darstellung. Es giebt drei Ausgaben mit 50, drei mit 48 Vorstellungen.
Ars memorandi: Die Kunst, die Erzählungen der vier Evangelisten in Erinnerung zu behalten. Ein ebenfalls beliebtes, öfters aufgelegtes Werk in 15 rohen, mit blasser Farbe gedruckten Holztafeln, und 15 Blättern mit Text.
Biblia Pauperum, „Die Armenbibel“, ist eine Reihe neutestamentlicher Darstellungen von der Geburt der heiligen Jungfrau an bis zum jüngsten Gericht, unter beständiger Hinweisung auf das Alte Testament. Das Buch ist wahrscheinlich niederrheinischen Ursprungs. Die Benennung erklären Einige, als sei das Buch für die geringeren Ordensgeistlichen, die sich Pauperes Christi nannten, bestimmt, Andere nehmen an, es solle damit gesagt sein, sie sei eine Bibel für die an Gütern oder am Geiste Armen.
Speculum humanæ salvationis (holländ.: Spieghel der menscheliker Behoudnisse): „Der Heilsspiegel“, ist ebenfalls eine Reihe neutestamentlicher Darstellungen. Von den vielen Ausgaben dieses beliebten Buches ist nur eine mit in den Tafeln geschnittenem Text, die übrigen sind typographisch ausgeführt. Das Buch ist niederrheinischen Ursprungs und die Holländer erklären dieses späte Produkt für ein von Koster mit beweglichen Typen gedrucktes Werk.
„Der Entkrist“, die Legende von dem falschen Messias. 26 Bl. in kl. fol.