Das Universitätsgebäude lag, und liegt noch, in einer breiten, von einem Kanal, dessen Ufer mit grossen Bäumen bepflanzt waren, durchzogenen Strasse, der „Rapenburg“. Das Gebäude war früher ein Nonnenkloster gewesen, die Seitenfront kehrte es nach der Strasse, daneben lief eine Mauer, in welcher sich der Eingang zu dem Universitätshof und dem botanischen Garten befand. Das angrenzende Haus hatte Matthias, Isaacks Vater, am 26. Aug. 1608 gekauft. Als Isaack nun Universitätsbuchdrucker geworden war, teilte er dem Senat mit, dass er bereit sei, das Haus seines Vaters zu beziehen, wenn man ihm gestatten wollte, längs seinem Hause in dem unbenutzten Winkel des Universitätshofes, der dem Ganzen keineswegs zur Zierde gereichte, ein Atelier anzubauen. Es würde dies eine sehr grosse Annehmlichkeit für die Professoren und die Studierenden sein. Man fand den Vorschlag annehmbar und gestattete Isaack ein Gebäude von 14 Fuss Tiefe, bestehend in einem Parterre mit einem hohen Dach, zu errichten. Der Eingang für seine Arbeiter sollte jedoch durch sein Haus sein, und das Hofthor nur für die Besucher der Universität dienen. Auch hinsichtlich der Anbringung der Fenster wurden ihm verschiedene Beschränkungen auferlegt. In diesem bescheidenen Lokal, das jetzt verschwunden ist, blieb die Druckerei bis zu ihrem Aufhören.
Isaack erwirbt die
Offizin Erpenius.
Die Massregel der Universität, Isaack zu ihrem Buchdrucker zu ernennen, war gewiss eine glückliche, denn durch die Ausführung schwieriger Arbeiten, unter welchen namentlich das Theatrum geographiæ veteris in Folio, für Rechnung des Buchhändlers J. Hondius, besondere Erwähnung verdient, hatte er sich bereits einen guten Namen erworben, und sich auch in anderer Weise, durch den Ankauf der Buchdruckerei des berühmten Orientalisten Erpenius (Th. van Erpe), klüglich vorbereitet. Nicht damit zufrieden, die orientalischen Sprachen zu lehren und Werke herauszugeben, hatte Erpenius eine Druckerei in seinem Hause eingerichtet, die er selbst überwachte. Nach seinem plötzlichen Tod an der Pest am 13. Nov. 1624 legte die Universität grosses Gewicht darauf, seine Druckerei für Leyden zu erhalten. Mit dem seinem Geschlechte eigenen Geschäfts-Instinkt war Isaack den Wünschen der Universität bereits zuvorgekommen, und hatte alle Stempel, Matrizen und Schriften des Erpenius erworben.
Druckerzeichen.
Als Druckerzeichen nahm Isaack eine Ulme an, die von einem Rebstock voll Trauben umschlungen wird, daneben steht ein Einsiedler; die Devise lautet: non solus. Der Baum mit dem Rebstock deutet dasselbe an, was das Bund mit den Pfeilen ausdrücken will. Dies Druckerzeichen wurde bis 1712 benutzt. Ein anderes, von Isaack verwendetes: ein Palmbaum mit der Umschrift Assurgo pressa, war ursprünglich das Insigne des Erpenius. Im übrigen bedienten sich Isaack sowohl als auch Bonaventura und Abraham mitunter der Marke des Vaters.
Isaack giebt das
Geschäft auf.
Trotz des günstigen Fortgangs des Geschäfts fasste jedoch Isaack den Entschluss, dasselbe aufzugeben, angeblich aus Besorgnis um die Folgen des langwierigen Krieges in Deutschland. Durch Vertrag vom 24. Dez. 1625 übergab er die Offizin mit 5 Pressen und 1 Kupferdruckpresse, 10 000 Kilo Schriften, Stempeln, Matern etc. seinem Bruder Bonaventura und seinem Neffen Abraham für die Summe von 9000 Gulden, und 2000 Gulden für das Lokal. Im Februar 1626 legte er auch sein Amt nieder und verliess in den letzten Tagen des Jahres Leyden, trat in den Marinedienst und hatte 1632 Kapitänsrang. 1648 finden wir ihn in Delft in Association mit seinen zwei jüngsten Söhnen, um eine Brauerei zu betreiben. Er starb in Köln am 8. Okt. 1651.
Bonaventura und
Abraham.
Wir kehren nun zu dem Stammgeschäft zurück. Bonaventura, wahrscheinlich so nach dem berühmten Gelehrten Bonaventura Vulcanus (de Smidt) aus Brügge genannt, war 1583 in Leyden geboren. Sein Vater liess ihn zeitig Geschäftsreisen machen. Abraham, in Leyden am 14. April 1592 geboren, war an Stelle seines Vaters eingetreten. Er hatte in Leyden studiert und sich bei seinem Bruder Isaack mit der Typographie vertraut gemacht. Am 21. Mai 1621 heiratete er Katharina van Waesberghe, Tochter des Admiralitätsbuchdruckers in Rotterdam, und kam dadurch in eine unabhängige Stellung, sodass er sich als Buchhändler etablieren konnte. Ein Glück für Bonaventura war es, nachdem 1625 die Druckerei Isaacks ihm noch zugefallen war, einen Mitarbeiter gefunden zu haben, der sich namentlich der Buchdruckerei widmete.