In demselben Jahre heiratete Bonaventura Sahra van Keulen, Tochter des berühmten Gelehrten Daniel Colonius, für ihn ein doppelter Vorteil, indem er nicht nur in eine sehr angesehene Familie eintrat, sondern auch in nähere Verbindung mit einer grossen Anzahl der bedeutendsten Gelehrten trat, die sich nun vorzugsweise der Pressen der Elzeviere bedienten.

Dass unter den obwaltenden Verhältnissen die Stellung als Universitätsbuchdrucker den Elzeviers nicht entgehen konnte, ist fast selbstverständlich. Man gewährte ihnen das Recht, die alte Lokalität innezubehalten, und bewilligte ihnen ein jährliches Gehalt von 100 fl., das auf 200 und später auf 300 fl. erhöht wurde.

Der Glanz des
Hauses.

Die nun folgenden 26 Jahre waren die des grössten Glanzes des Hauses. Das Streben der Associés war von Beginn ab darauf gerichtet, sich von dem Alltäglichen zu emanzipieren und ihren Erzeugnissen mehr und mehr den Stempel der Vollkommenheit aufzudrücken. Schon ihre ersten Druckwerke übertrafen die Isaacks, und jedes Jahr zeigt einen Fortschritt, sei es in der Schrift, in der Ornamentierung, oder in dem Druck. Schritt für Schritt kann man diese Elzeviere auf ihrem Wege zur Vollendung verfolgen, bis sie, nach zehn Jahren, Meisterwerke wie ihren Cäsar, Terenz und Plinius v. J. 1635 hervorzubringen imstande waren. Ihnen verdankt man die Initiative zu allen den Unternehmungen, welche den Namen Elzevier zu einem unsterblichen in der Geschichte der Buchdruckerkunst und des Buchhandels gemacht haben. Im Jahre 1625 begannen sie die Sammlung der kleinen „Republiken“, für welche sie ein Privilegium vom 15. Mai 1626 erhielten. 1629 weihten sie die Reihe der lateinischen Klassiker in dem berühmten Duodez durch den Horaz und den Ovid ein; 1641 die Kollektion der renommiertesten Schriften einer neueren Zeit mit dem Cid; die Sammlung französischer Klassiker mit Régnier 1642. Daneben folgten aber auch Bücher in grösserem Formate, darunter verschiedene orientalische Werke.

Die kleinen Aus-
gaben.

Ihren Hauptruhm bilden jedoch die Duodezausgaben der Klassiker zu billigen Preisen. Zwar waren solche kleinere Ausgaben nicht ohne Vorbild, wir erinnern nur an die „Aldinen“, im allgemeinen war man jedoch bei den grossen Formaten geblieben, bis mit den Elzevieren die Ausnahme Regel wurde. Die Bändchen, von den berühmtesten Kritikern und Kommentatoren der Zeit besorgt, nahmen im Sturm das Publikum für sich ein. Das Oktavformat blieb nur für die Ausgaben mit vielen Noten und Varianten. Durch den billigen Preis von 1 fl. als Mittelpreis für einen Band von etwa 500 Seiten steigerte sich der Absatz enorm. Die Durchschnittsgrösse der Auflagen ist nicht bekannt, sie muss aber eine bedeutende gewesen sein.

Übrigens fehlte es nicht an Stimmen, die diese handlichen Bändchen als eine Herabwürdigung der Gelehrsamkeit bezeichneten und als eine rein kaufmännische Manipulation verdammten. Trotzdem suchten die Gelehrten eine Ehre darin, dass ihre Werke den Kollektionen einverleibt wurden. Ja, selbst Autoren, deren Schriften von den Elzevieren nachgedruckt waren, schrieben ihnen verbindliche Briefe auf Grund der auf den Nachdruck verwendeten Sorgfalt. Das Format wurde in ganz Holland und Belgien standard und auch von mehren Pariser Buchhändlern angenommen. Bald bemächtigte auch die Sammelwut sich der kleinen Bändchen. Noch vor Ablauf des Jahrhunderts wurde von Liebhabern berichtet, die sich das Allernotwendigste versagten, um eine komplette Elzeviersammlung zu besitzen.

Papier und Kor-
rektur.

Mit der Beschaffung des Papiers scheinen die Elzeviere manchmal Not gehabt zu haben. Öfters wenden sie französisches an, das jedoch schon in Frankreich auf Grund der dortigen Abgaben sehr teuer zu stehen kam, wie viel mehr also im Auslande. Während des Krieges mit Frankreich war die Einfuhr von Papier ganz verboten und die Elzeviere bezogen grosse Massen aus Deutschland, klagen jedoch öfters, dass dieses oder jenes Werk nicht recht gefördert werden könne, weil das in Frankfurt bestellte Papier nicht angekommen sei.

In Betreff der Korrektheit der Elzevier-Ausgaben sind von einander abweichende Stimmen laut geworden. Viele loben dieselbe sehr, viele tadeln derb die Inkorrektheit. Der Grund ist nicht schwer zu finden. Die Elzeviere waren nicht, wie die Aldi, Stephane, oder wie Badius, Morel, Oporin begeisterte Gelehrte, die im Interesse der Wissenschaft Typographen geworden waren und einen Hauptteil der litterarischen Arbeit auf sich nahmen; sie waren praktisch-tüchtige Geschäftsleute, welche die Typographie hochhielten, aber nicht in der Lage waren, durch ihre persönlichen Kenntnisse zur Förderung der Wissenschaft beizutragen. Man darf sich nicht von ihrem Titel „akademischer Buchdrucker“ oder von den gutgeschriebenen lateinischen Anreden in ihren Verlagswerken irreleiten lassen; letztere sind Arbeiten ihrer litterarischen Freunde, namentlich des Dan. Heinsius. Sie gaben sich alle Mühe, für gute Korrektoren zu sorgen, diese waren aber selten; oft mussten sie sich deshalb in Betreff der Korrektur auf die Verfasser selbst verlassen, die bekanntlich selten diese Arbeit in befriedigender Weise üben. So giebt es neben sehr gut korrigierten Ausgaben der Elzeviere auch fehlerreiche. Im allgemeinen sind ihre lateinischen Klassiker sorgsam korrigiert, der Virgil von 1676 gilt sogar als ein nicht leicht zu erreichendes Muster, auch ihre französischen und italienischen Ausgaben, obwohl Nachdrucke, waren öfters weit korrekter als die Originale. Viele bekannte Namen fanden sich unter ihren Korrektoren nicht vor, berühmte gar nicht.