Das ausländische
Geschäft.
Als eine Eigentümlichkeit der Elzevierischen Geschäftsorganisation wurde schon der ausgedehnte ausländische Vertrieb erwähnt, der bereits von Ludwig begonnen und sowohl (seit 1630) von dem Leydener als später von dem Amsterdamer Haus in System gebracht wurde.
Die meisten Glieder der Familie begannen ihre Thätigkeit mit dieser Branche. Selbst nach seiner Association mit Matthias und Abraham setzte Bonaventura seine Reisen fort; doch nötigten ihn später die steigenden Geschäfte, diesen Teil der Arbeit dem Neffen, Ludwig, zu überlassen, bis dieser sich 1638 in Amsterdam etablierte. Er wurde von Johann, dem ältesten Sohn Abrahams, dieser wieder von Daniel, Bonaventuras Sohn, abgelöst.
Als letzterer später dem Geschäft Ludwigs in Amsterdam beitrat, setzte er seine Reisen für dieses fort.
Über die Depots in Frankfurt, Italien und Paris wurde schon oben gesprochen. Eine grosse Bedeutung hatte die Verbindung mit den skandinavischen Ländern. Kopenhagen, der Hauptsitz der Litteratur im Norden, war gewohnt, sich in Frankfurt zu versorgen. Als jedoch der Verkehr im 30jährigen Krieg immer schwieriger wurde, hielten die Holländer mit ihrem merkantilen Genie es für angebracht, die litterarische Versorgung des Nordens zu übernehmen. Der erste, der den Versuch machte, war der Buchhändler Johann Jansson aus Amsterdam und der Erfolg war ein so glänzender, dass die dänischen Buchhändler bittre Beschwerden über die Eindringlinge führten. Eine Merkwürdigkeit war, dass der Buchhandel dort in den Kirchen betrieben wurde, was erst aufhörte, als Christian iv. die prachtvolle Börse baute, in deren erstem Stock eine Menge Detail-Läden, namentlich für den Buchhandel, sich befanden. Hier mieteten Jansson und die Elzeviere Lokale. Ihr Handel muss ein sehr bedeutender gewesen sein, denn sie liessen besondere Kataloge drucken, von welchen einer auf uns gekommen ist: Catalogus omnium librorum, qui hoc tempore in officina Elzeviriana prostant. Hafniæ 1642. Man sieht, es handelt sich um eine vollständige Filiale. Wer sie dirigierte, ist nicht bekannt; die Elzeviere selbst besuchten jedoch oft Kopenhagen. Nicht weniger gut als dort waren sie in Schweden angeschrieben, und die für die Wissenschaften eingenommene Königin Christine machte ihnen vorteilhafte Anerbietungen, um sie zu bestimmen, ein Haus dort zu gründen. Sie lehnten es ab, dagegen kamen die Verhandlungen mit Joh. Jansson zustande, der 1647 das Privilegium, eine Druckerei anzulegen, erhielt (vgl. S. 157).
Eigenschaften der
Associés.
Zu dem Glanze des Leydener Hauses trug jeder der Associés bei. Bonaventura leitete mit grossem Geschick den bibliopolischen und kaufmännischen Teil des Geschäfts, wozu ihn eine sorgfältige Vorbereitung geeignet machte. Mit ihm verhandelten gewöhnlich die Gelehrten und die Kunden. Abraham besorgte mit gleicher Sorgfalt und grosser Hingebung das typographische Departement. Eine gute Hülfe hatten sie in Ludwig ii., bis dieser selbst sich etablierte. Eine ganz wesentliche Stütze für das buchhändlerische Geschäft war der berühmte Gelehrte Daniel Heinsius, der so eigentlich die Seele der litterarischen Produktion war. Heinsius war 1580 in Genf geboren. In Leyden war er der bevorzugte Schüler von Jos. Scaliger und später von dessen Nachfolger. Er war ein Universalgenie, in allen Fächern des Wissens zuhause, zugleich ein Dichter von gutem Geschmack. Ganz natürlich, dass ein solcher Mann einen Verleger im Guten sowohl wie im Bösen vollständig beherrschen konnte. In beiderlei Hinsicht übte er auf die Elzeviere, speziell auf Bonaventura, einen grossen Einfluss. Ihm verdanken sie den Besitz einer Reihe der besten Verlagswerke, bei deren Herausgabe er ihnen zuhilfe kam, indem er die Einleitungen und Dedikationen, mit welchen die Verleger ihre Werke begleiteten, schrieb. Er war jedoch eine streitsüchtige, egoistische Natur und hielt die Elzeviere von denjenigen Gelehrten ab, die bei ihm nicht in Gunst standen.
Tod Abrahams
u. Bonaventuras.
Bonaventura selbst zeigt sich auch nicht durchweg als liebenswürdiger Charakter, namentlich scheint er von einem mitunter hässlichen Geiz beherrscht gewesen zu sein. Nichtsdestoweniger suchte man gern eine Verbindung mit den Elzevieren und rühmte ihre Genauigkeit, Pünktlichkeit und ihren Eifer, sowie ihr warmes Interesse für ihren Beruf, dem sie einen förmlichen Kultus erwiesen. Liebenswürdiger als Bonaventura dürfte Abraham gewesen sein, Wenigstens spricht für seine Beliebtheit, dass die Universität nach seinem Tode, am 14. Aug. 1652, ihm zu Ehren eine goldene Medaille prägen liess, eine Auszeichnung, mit der sie sehr sparsam war. Dagegen geschah nichts zu Ehren Bonaventuras, als dieser einen Monat später, am 17. Septbr. 1652, verschied.