Ludwig iii. und
das Amsterdamer
Haus.

Der Gründer des Amsterdamer Geschäfts, Ludwig iii., ältester der vier Söhne des Justus, war 1604 in Utrecht geboren. Früh vaterlos, wurde er, um zu studieren, nach Leyden gesandt, wo er bei seinem Onkel Matthias wohnte und Gelegenheit fand, sich mit Buchhandel und Typographie bekannt zu machen. Durch seine vielen Reisen kreuz und quer durch Europa hatte er sich vortrefflich für ein eigenes Etablissement vorbereitet. Er war 33 Jahr alt geworden; Aussichten auf eine selbständige Stellung in dem Leydener Geschäft waren nicht vorhanden; Konkurrenz wollte er demselben nicht machen. Er wählte deshalb Amsterdam zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Wennauch vorzugsweise Handelsstadt, war Amsterdam doch durch seine gelehrten Gesellschaften bekannt, und besass eine Art von Universität in seinem neu errichteten Athenäum, welches schon berühmte Lehrer zu den Seinigen zählte. Die Leydener Verwandten hatten nichts gegen das Etablissement einzuwenden, sie hofften sogar Vorteile durch energische Verbreitung ihrer Artikel seitens Ludwigs zu erreichen und druckten auch anfänglich mehrere Werke für ihn.

Aufblühen des
Hauses.

Jedoch Ludwig war der Mann, um ganz auf eigenen Füssen zu stehen. Kaum etabliert, suchte er die Verbindung mit dem berühmten Hugo Grotius, der als schwedischer Gesandter in Paris lebte. Ohne Freigeist zu sein, hatte Ludwig auf seinen Reisen doch in religiösen Angelegenheiten einen freieren Blick erworben, als seine Leydener Verwandten, die eine grosse Strenggläubigkeit entweder wirklich besassen, oder durch die Verbindung mit der Universität zu zeigen gehalten waren. Er war so recht geeignet, als Verleger die unabhängigen Geister um sich zu versammeln. Er zählte sogar zur katholischen Kirche übergetretene zu seinen litterarischen Freunden, ohne dass dies ihn verhinderte, Schriften zu verlegen, welche die Katholiken wenig schonten. Seit 1642 druckte er alle Werke des Cartesius, was auf die volle Unabhängigkeit seines Charakters deutet, denn man weiss, welche heftigen Angriffe der Autor seitens der holländischen Theologen auszustehen hatte, sodass es in Leyden sogar verpönt war, den Namen Cartesius zu nennen. Auch die Werke der Schüler und Anhänger desselben gab Ludwig heraus, ebenso die Schriften der französischen Jansenisten.

Jedenfalls lag es gleich von Beginn ab in Ludwigs Absicht, eine Druckerei anzulegen. Im Jahre 1640 besass er eine solche, wennauch nach einem beschränkten Massstabe, denn seine Mittel waren nicht bedeutend. Er liess sowohl bei seinen Verwandten, wie bei anderen Kollegen, namentlich bei Fr. Hackius in Leyden drucken, der von allen Buchdruckern den Elzevieren am nächsten stand, um so mehr als ein Sohn des Hauses Hackius, Cornelius, mit Margaretha Elzevier, Schwester von dem in Utrecht als Buchhändler etablierten Peter und Nichte Ludwigs, verheiratet war.

Es dauerte nicht lange, so stand das Amsterdamer Geschäft dem Leydener gleich. Von 1640-45 kamen 219 Verlagsartikel heraus. Die Geschäfte wuchsen so rasch, dass es Ludwig nicht immer möglich war, die nötige Ordnung und Pünktlichkeit zu zeigen; er sah sich deshalb nach Hülfe um. So wurde die Association mit Daniel am 1. Mai 1655 abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit gingen eine Menge Verlagsartikel des Leydener Geschäfts auf Daniel über und von dieser Zeit an begannen auch die Amsterdamer Pressen, die berühmten Duodeze zu reproduzieren, auf welche das Leydener Geschäft bis jetzt faktisch das Monopol gehabt hatte. Die Zahl der von Ludwig und Daniel, während eines neunjährigen Zusammenwirkens, herausgegebenen Werke beträgt gegen 150; auch der Anfang ihres Hauptwerkes, der grossen Bibel von Desmarest, stammt aus dieser Zeit.

Druckerzeichen.

Als Zeichen bedienten sie sich der Minerva mit der Aegide, dem Ölzweig und der Eule und mit der Devise Ne extra oleos. Der Gedanke der Devise ist dem Wettrennen der Alten entlehnt, bei welchem das Ziel durch eine Reihe von Ölbäumen bezeichnet war. Die Warnung: „nicht über die Ölbäume hinaus“, heisst also soviel als: „Halte dich innerhalb der richtigen Grenzen, und schiesse nicht über das Ziel hinaus“.

Geschäftslokal.

Das Geschäftslokal war „opt Water in den Olm-boom“. Diese Bezeichnung „Auf dem Wasser“ hatte ein Hauptquai in Amsterdam, wo vorzugsweise die Lokale der Buchhändler und Buchdrucker sich befanden. Die Elzeviere bewohnten dort nach und nach verschiedene Häuser; wenn sie nichtsdestoweniger als „in der Ulme“ wohnhaft fort firmierten, so ist dies durch die Sitte erklärlich, die Häuser nicht nur nach den, von dem Besitzer über den Thorweg in Stein gehauenen Emblemen, sondern auch nach den beweglichen Schildern der gewerbetreibenden Bewohner zu bezeichnen.