Wir haben nun noch den letzten Blick, der keine Freude gewährt, dem Leydener Hause zuzuwenden.
Daniels Austritt war ein schwerer Schlag, indes verlor Johann den Mut nicht. Da er keinen Associé hatte, suchte er helfende Kräfte zu gewinnen, und es scheint ihm dies durch das Engagement Karl Gerstekorns gelungen zu sein. Wenn unter den schwierigen Verhältnissen Johann den Senat um Erlaubnis ersuchte, die Offizin baulich erweitern zu dürfen, so ist dies, wenn es damit überhaupt Ernst war, nur in der Weise zu erklären, dass er sich auf die Druckerei allein hat beschränken und diese mit aller Kraft hat betreiben wollen. Wenigstens mässigt er seine Verlagsthätigkeit sehr und sucht sein Lager durch Auktionen zu erleichtern. Es gehören immerhin einige seiner Leistungen dieser Zeit, als: de Brebeuf, Pharsalus und P. le Moyne, Gallerie des femmes fortes, zu den besten seiner Pressen.
Johann starb, ohne einen Plan für die Zukunft des Geschäfts gelegt zu haben, am 8. Juni 1661, erst 39 Jahre alt. Seine Witwe entschloss sich, die Geschäfte fortzuführen, und erhielt auch die Bestätigung des Verhältnisses zur Universität. Durch Auktionen in den Jahren 1659, 1660 und 1661 entledigte sie sich des Leydener Lagers und der Haager Vorräte. Mit Ausnahme der Fortführung der grossen holländischen Bibel, die schon während Daniels Zeit angefangen und bei der er beteiligt geblieben war, scheint sie eigenes Verlegen ganz unterlassen zu haben. So ging das Geschäft nach und nach zurück. 1681 übergab sie es dem zweiten Sohne Abraham ii., und starb 1695.
Abraham, am 5. April 1653 geboren, hatte in Leyden studiert und 1679 den Doktorgrad erworben. 1695 wurde er Schöffe zu Leyden. Unter seiner Misswirtschaft verfiel die Druckerei vollständig. Als nach seinem am 30. Juli 1712 erfolgten Tode das Geschäft verkauft wurde, war der Erlös noch nicht 2000 Fl. — Sic transit gloria mundi.
Die Nachahmer
der Elzeviere.
Es konnte nicht anders sein, als dass der grosse Erfolg der Elzevierschen Duodezausgaben auch andere Buchdrucker innerhalb und ausserhalb der Grenzen der Niederlande zur Nachahmung anstachelte. Es dauerte nicht volle zehn Jahre nach den ersten Ausgaben seitens der Elzeviere, bis eine Überschwemmung mit Nachahmungen derselben eintrat, die oft die Vignetten und anderes Beiwerk so genau wiedergaben, dass die Entscheidung, ob ein Buch wirklich den Elzevieren gehörte oder nicht, manchmal eine sehr schwierige war.
Nach der Druckerei der Elzeviere war in Leyden die bedeutendste die von Franz Hackius, die viel für die erstgenannte druckte, und eine sehr leistungsfähige Offizin war. Um die Mitte des xvii. Jahrhunderts gab es in Leyden überhaupt 9 Druckereien mit 23 Pressen, darunter keine mit mehr als vier. In Amsterdam waren die Druckereien nicht so zahlreich, aber sehr tüchtig. Von den Blaeu hörten wir bereits. Johann Jansson, der nicht dieser Familie angehörte, druckte von 1618-1664 und war besonders als Nachdrucker bekannt. Fand ein Werk eines ausländischen oder auch eines holländischen Kollegen Beifall, so war Jansson schnell mit einem Nachdruck bei der Hand. Er hatte, wie schon erwähnt, eine Filiale in Kopenhagen und errichtete eine Druckerei in Stockholm. Nachdem Johann van Waesberge eine Tochter Janssons geheiratet hatte, fügte letzterer den Namen des Schwiegersohns dem seinigen bei. Nach Janssons Tod associierte sich Waesberge erst mit seinem Schwager Elisäus Weyerstraten (1664-1667), später mit dessen Witwe. Von 1669 ab bis zu seinem Tode 1681 druckte er allein[8].
Zu den talentvollsten Nachahmern der Elzeviere gehören auch die Brüsseler Buchdrucker François Foppens (gest. 1684) und Eugène Henry Frix (gest. um 1715).
Ein sehr geschätzter Buchdrucker, Buchhändler, Kartenstecher und Geograph war P. van der Aa (gest. 1730). Sein grösstes Werk, eine Weltgalerie, umfasst 66 Bände. Die berühmte Familie Wetstein wurde schon früher erwähnt.