Richard Grafton.


Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist Richard Grafton, der wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs viii. geboren ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte. Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene Vernichtungskrieg wurde so gründlich durchgeführt, dass von 3000 Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte die Rache den Urheber. Kaiser Karl v. liess sich bestimmen, Tyndales Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche Übersetzung in grossen Massen nach.

Myles Coverda-
les Bibel.

Zwar änderte Heinrich viii., wenn nicht seine Gesinnung, so doch seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des Bandes, welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls v. reichte. Die nach derselben bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im Auslande, wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton in Verbindung mit Edward Whitchurch eine Bibel in Paris drucken, die aber in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz i. mit Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann und Abgesandter Heinrichs viii. in Deutschland, heiratete später nach der Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe.

Cranmersche
Bibel.

Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die 1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex, interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben, dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus. Eines seiner schönsten Werke ist Edw. Halles Chronicle.

In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als königlicher Buchdrucker nach Eduards vi. Tode die Proklamation Jane Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker davon. Er starb um 1572.

John Bydells
Bibel.

Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu erwähnen die John Bydells, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“ genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen.