Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten der Buchstaben zusammenlötete, dadurch ging die Schrift aber für jeden anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und Joh. Müllers kennen gelernt.
William Ged.
Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer William Ged zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen das Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er sich mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die Sache wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging nun 1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen, unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören, sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für die Praxis vollständig bewähren.
Andr. und Rob.
Foulis.
Bedeutende Buchdrucker waren Andreas Foulis († 1774) und Robert Foulis († 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche Ausgaben von Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene fehlerfreie Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands errichtete Alex. Wilson und Bain 1742 in St. Andrews. Bei ihrer zunehmenden Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach Gamalachie, einem Dorfe bei Glasgow.
Irland.
In IRLAND wurde erst 1551 durch Humfrey Powell gedruckt und es dauerte lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische Typen wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh. Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des xviii. Jahrh. wurden beinahe alle bedeutenden Werke ausser Landes hergestellt. Später entstand in dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind.
Zeitungswesen.
Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf zu bestehen[1].