Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war William Caslon, der England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in Cradley, Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur und bewies als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit. Gelegentlich fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben kamen dem Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und Genauigkeit derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande sein würde, den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen, und er verhiess ihm seine Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine Schriftgiesserei errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £ und er fing nun mit Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft bekam er den Auftrag eine arabische Schrift zu schneiden. Als Unterschrift seiner Firma hatte er sich einiger von ihm geschnittener Antiqua-Buchstaben bedient, von welchen Sam. Palmer so entzückt war, dass er ihm auftrug, die ganze Schrift zu schneiden. Später wurde dies dem Palmer leid, da er gute Gründe hatte, es nicht mit den anderen Schriftgiessereien zu verderben, die durch Caslons überlegene Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er suchte deshalb Caslon von seinem Vorhaben wieder abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang. Caslon wendete sich an den Buchdrucker William Bowyer den älteren, mit dessen Hülfe nun seine prachtvolle Antiqua-Garnitur, die an Klarheit, Leserlichkeit und Gleichmässigkeit nicht viele ihresgleichen hat, vollendet wurde. In der Zeit von 1720-1780 wurden fast alle Werke von Bedeutung mit den Caslonschen Schriften gedruckt, die den Vergleich mit den Meisterwerken der früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen und von späteren nicht übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766, 74 Jahre alt.


NORDAMERIKA.

Die Presse Nord-
amerikas.

Die Presse Nordamerikas[2], welche in unserer Zeit eine so grossartige Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in Wickeln“.

Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der vielen religiösen Sekten beizutragen, die in Amerika ein Asyl für das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden hatten.

Joseph Glover.

Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger Joseph Glover zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei in England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe gründete darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE (Massachusetts), und das erste Buch, welches aus dieser hervorging, war The Freemans Oath (1639). Die Offizin ward später nach Boston übergeführt und die Leitung Stephan Daye übertragen, dem Samuel Green folgte. Bei der Gründung der frühesten Druckereien in Amerika war in der Regel das Material Eigentum der Regierung oder einer Gesellschaft. Ein verantwortlicher Geschäftsführer wurde ernannt, der unter seinem Namen druckte. Oft blieb in dieser Weise die Leitung einer Buchdruckerei auf lange Zeit in einer Familie.

Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt, vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte. 1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu sein.

Boston.