In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten. PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6 Quartbänden drucken (1579-1593).

Ungarn.

In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph und Schriftgiesser dort war Nikolaus Tótfalu, der sogar Florenz und Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.[2]

Russland.

In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der slawischen Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan Wassiljewitsch 1553 die erste Buchdruckerei Synodalnija typografia durch den Diakon Iwan Feodorow und Timoféew Mstislavzoff unter Aufsicht des Dänen Hans Hannsen, und hier erschien 1564 der in der russischen Litteratur so berühmte Apostol, in slawischer Sprache gedruckt, von welchem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek der Akademie zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte die Drucker, die es für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in Wilna und Lemberg fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch' Regierung wurde eine neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast nur aus kirchlichen Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre 1643 hatte der Klostergeistliche Arsenij Suhanow den Gebrauch einer sehr schmalen und schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der Synodaldruckerei unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im Jahre 1663 erschien die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel nach dem Muster der Ostroger v. 1581.

Peter der Grosse.

Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. Dieser erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker Tessing das Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess auch Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm.

Peter der Grosse.

Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von Jan van Duren derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen Text enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte in Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen holländischen Gestalt.

Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer Andrew Johnson eine georgische Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde, unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte in 8 Sprachen ausgeführt sein soll.