St. Petersburg.

Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau, das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert 1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735 die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730 geliefert.

Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei.

Die Türkei.

In der TÜRKEI[3] war auf Anordnung des Sultan Bajazet ii. die Ausübung der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim i. hatte dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe druckten jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726 sind manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist.

Im xvii. Jahrhundert versuchte Nicodemus Metaxa, ein gelehrter Mönch aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus Lukaris eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der Versuch wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt und eine 1698 aus Venedig eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört.

Ibrahim und
Said Efendi.

Erst 1726 unter der Regierung Achmeds ii. trat die, von der Regierung erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der Buchdruckerei ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten Ibrahim Efendi. Besonders thätig war dabei Said Efendi, der als Gesandtschaftssekretär in Paris Geschmack an der Kunst gefunden hatte und nun die nötigen Schriften anschaffte, und zwar diese in Konstantinopel selbst schneiden und giessen liess. Nach vielen Beratungen mit den ersten Staatsmännern und Gesetzverständigen that der Mufti den Ausspruch, dass es gestattet sein solle, mit Ausnahme der Religionsbücher, in arabischer Sprache zu drucken, dass es aber gut sei, wenn vier Oberaufseher ernannt würden, welche wissenschaftliche Kenntnisse genug besässen, um über den richtigen Abdruck der Bücher zu wachen. Das erste Buch, welches demgemäss erschien, war Wankulis: Kitab Lugat, arabisch-türkisches Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von 1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher Befehl stellte den Preis auf 35 Piaster fest. Als erstes mit Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte Holdermanns französisch-türkische Grammatik 1730. Um dieses Jahr entwickelte sich eine ziemlich lebhafte Druckthätigkeit, namentlich um geschichtliche und geographische Werke herzustellen, darunter eine Geschichte von Amerika mit Landkarten und Illustrationen, ein Atlas von 39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der Welt“ u. a.

Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand. Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die allen Orientalen gemeinsam ist.

Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf.