Das Format.
Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein „Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat.
Typographische
Einteilung
Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig. Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung überhaupt den Chinesen mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke galten als die vorzüglichsten.
Das Papier.
Das chinesische und japanische Papier wird hauptsächlich aus Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der Broussonetia papyrifera), der Schwertlilienpflanze, sowie aus mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der Seidenspinnerei gefertigt.
Das Bambus-
rohrpapier.
Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4 Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen, endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen.
Der Papier-
Maulbeerbaum.
Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3 Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern, während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und beschnitten.