Die 36zeilige
Bibel.
Die 36zeilige Bibel umfasst 881 Blätter oder 1762 zweispaltige Seiten, zumeist in Lagen von 5 Bogen gefalzt, und ist in der Regel in drei Bände gebunden. Zum Zweck der kalligraphischen Ergänzung sind die Räume für die grossen Initialen freigelassen. Die neue Kunst wollte eine genaue Reproduktion der Manuskripte geben. Deshalb wurden auch die Drucklettern den geschriebenen Buchstaben mit den vielen Abbreviaturen nachgebildet. Was in Druck nicht nachgeahmt werden konnte, wurde hineingezeichnet. Eine beabsichtigte Täuschung hierin erblicken zu wollen dürfte kaum zutreffend sein; man wagte es einfach nicht von dem herrschenden Geschmack abzugehen. Ähnliches findet man noch heute bei den für den Orient bestimmten Druckschriften, deren Schwierigkeit hauptsächlich darin liegt, dass alle Abwechselungen der Handschrift genau nachgebildet werden müssen. Das Druckjahr der 36zeiligen Bibel ist nicht zu entdecken gewesen. Ein rubriziertes Exemplar in Paris trägt das Datum 1461. Dies würde allerdings sehr gegen die Priorität dieser Ausgabe sprechen, wenn es nicht auch sonst vorkäme, dass Exemplare eines Buches erst später rubriziert wurden. Im Jahre 1460 hatte man schon Blätter dieser Bibel als Makulatur benutzt. Die ersten Bogen zeigen in technischer Beziehung noch Unsicherheit, der Druck ist sehr stark, das Register steht nicht gut, und auch andere Mängel sind sichtbar, der spätere Teil ist besser gearbeitet[2].
Die 42zeilige
Bibel.
Sollte die 36zeilige Bibel die erste und somit die zuerst aufgefundene 42zeilige Bibel dem Alter nach die zweite gewesen sein, so bleibt sie nichtsdestoweniger ein höchst ehrwürdiges und bedeutendes Druckmonument. Es ist ein zweibändiger Foliant von 324 und 317, im ganzen also von 641 Blättern von zweispaltigen Zeilen. Die 66 Lagen bestehen meist aus je fünf Bogen (Quinternionen). Gedruckte Seitenzahlen, Signaturen, Kustoden und Initialen fehlen. Ein rubriziertes Exemplar ist mit dem Datum 24. Aug. 1456 bezeichnet. Man hat Exemplare sowohl auf Pergament wie auf Papier. Die auf Pergament gedruckten Exemplare, von denen man sechs kennt (davon je eins in Leipzig und Berlin), sind mit brillant ausgemalten Initialen mit Goldverzierungen geschmückt; die auf Papier gedruckten, von welchen neun erhalten wurden (darunter in Frankfurt a. M., Leipzig, München, Wien), haben wechselnd rote und blaue Initialen.
Peter Schöffer.
Einen tüchtigen Mitarbeiter fanden Gutenberg und Fust in Peter Schöffer. Im Prinzip hatte Gutenberg die Erfindung allein vollbracht, aber in der technischen Ausführung der Einzelnheiten mag vieles noch gefehlt haben. Die Stempel und Formen (Matrizen) waren noch unvollkommen. Die Schärfe der Typen verlor sich schnell auf Grund der Weichheit des Metalls für die Schrift und die Matern; auch die Zeichnung und der Schnitt der Stempel (Patrizen) liessen zu wünschen übrig. Hier scheint nun Peter Schöffer zum Vorteil der Kunst energisch eingegriffen zu haben.
Schöffer[3] war in Gernsheim zwischen 1420 und 1430 geboren. Näheres über seine Familie und seine Jugend ist nicht bekannt, nur dass er sich zuerst der Jurisprudenz widmete und sich längere Zeit in Paris aufhielt, wo er sich einen Ruf als tüchtiger Illuminator und Rubrikator erwarb. Nach Mainz scheint er in dem Jahre 1450 oder 1451 gekommen zu sein, wahrscheinlich um in den erwähnten Eigenschaften in der Gutenbergschen Offizin zu wirken. Hier hat er nun mutmasslich weitergehende Talente entwickelt, ohne dass es sich jedoch genau feststellen lässt, wie weit seine Thätigkeit sich erstreckte. Jedenfalls hat er die Form der Buchstaben verbessert, ein grösseres Ebenmass derselben sowie auch eine bessere Legierung des Schriftmetalls veranlasst, und einen schöneren Schnitt der Stempel in härterem Metall (Stahl) eingeführt, wodurch man in den Stand gesetzt wurde, dieselben in kupferne Matrizen einzutreiben. Kurz: hat auch Schöffer die Schriftgiesserei nicht erfunden, so bleibt ihm doch das grosse Verdienst, sie in die Bahn gelenkt zu haben, die sie bis jetzt nicht verlassen hat. Auch die Verbesserung der Schwärze durch Zusatz von Firnis soll sein Werk gewesen sein.
Dass die Verdienste Schöffers nicht klein sein konnten, lässt sich schon daraus schliessen, dass der angesehene und wohlhabende Fust kein Bedenken trug, dem armen Schreiber seine Tochter Christine zur Ehefrau zu geben. Diese Tüchtigkeit und dieses Zutrauen, welches Fust in Schöffer setzte, sollten leider Gutenberg verderblich werden, denn sie gaben Fust die Zuversicht, feindlich gegen ihn aufzutreten. Für Schöffers Beteiligung bei diesen Schritten liegt kein Beweis vor; zweideutig jedoch hat er sich wenigstens insofern gezeigt, als er später auf Kosten Gutenbergs sich die Ehre der Erfindung anzueignen versuchte.
Fust klagt gegen
Gutenberg.
Mag nun sein, dass die Auslagen zu gross und die Auflagen zu klein, oder, dass Gutenberg in der praktischen Geschäftsführung nicht der rechte Mann gewesen, die neue Kunst hatte trotz aller technischen Fortschritte keinen finanziellen Erfolg gehabt. Es kam soweit, dass Fust Klage gegen Gutenberg erhob. Er forderte: