Von 1493 erlahmt seine Thätigkeit. Das letzte Buch mit seinem Namen ist die schon erwähnte vierte Auflage des Psalterium (21. Dez. 1502). Das erste Buch mit dem Namen seines Sohnes ist vom 27. März 1503 datiert. Sonach fällt der Todestag Schöffers, den man nicht genau kennt, in diese Zwischenzeit. Am 9. Juni 1836 wurde das ihm von seiner Vaterstadt Gernsheim errichtete Denkmal enthüllt.
Strassburg.
Joh. Mentelin.
Heinr. Eggesteyn.
Kehren wir auf unserer Wanderung[4] nach STRASSBURG[5] zurück, so begegnen wir als den ersten Buchdruckern dort Johann Mentelin und Heinrich Eggesteyn. Von beiden existieren Bibeln schon aus dem Jahre 1466; jedoch ohne Nennung des Druckers und des Datums. Die ersten datierten Drucke aus Strassburg gehören Eggesteyn an (1471) das: Decretum Gratiani. 2 Bde. fol. und die: Constitutiones Clementi V., ebenfalls in fol., in welchen der Drucker sagt, er habe schon unzählige Bände gedruckt. Dass auch Mentelin um diese Zeit eine grössere Thätigkeit entwickelt hatte, geht schon daraus hervor, dass er 1471 einen — den ersten überhaupt existierenden — Verlagskatalog auf einem Oktavblatt von 19 Zeilen herausgab[6] und dass Kaiser Friedrich iii. ihn schon 1468 auf Grund seiner Verdienste in den Adelstand erhob. Eggesteyns Wirksamkeit endigt schon 1472; Mentelin starb 1478 und sein Begräbnis fand unter grossen Ehren im Dome statt[7].
Die ersten Strassburger Drucke sind weit unvollkommener als die Mainzer, und weisen eine ganz abweichende Type auf. Es war deshalb nicht so unnatürlich, dass man auf eine selbständige und ältere Erfindung in Strassburg, der „Wiege der Kunst“, — jedoch wie Schaab richtig bemerkt „eine Wiege ohne Kind“ —, schliessen wollte.
Die Schweiz.
Beromünster.
Das benachbarte Basel, das später einen bedeutenden Platz in der Geschichte der Typographie behauptet, nahm die Kunst bald auf. Allgemein wird jedoch nicht Basel, sondern der Flecken BEROMÜNSTER im Canton Luzern, eine Stunde von Sempach, wo am 9. Juli 1386 Arnold Winkelried durch seine heldenmütige Aufopferung „der Freiheit eine Gasse brach“, als erster Druckort der Schweiz betrachtet. In dem dortigen berühmten Chorherrenstift des Erzengels Michael lebte ein, durch seine Gelehrsamkeit hervorragender Mann Elias Eliae (Helias Helie)[8] aus dem berühmten Geschlecht derer von Laufen. Derselbe soll die Buchdruckerkunst durch Ulr. Gering, der später als erster Buchdrucker in Paris wirkte, nach der Schweiz gebracht haben und dort als erstes Buch den Mamotrectus des Joh. Marchesini, ein beliebtes, für höhere Schulen bestimmtes Wörterbuch der schwersten Ausdrücke der Bibel, gedruckt haben. Hiergegen wird jedoch Zweifel erhoben, und der Mamotrectus soll, inklusive der Jahreszahl 1470, nur ein Nachdruck einer Mainzer Ausgabe aus diesem Jahre sein und frühestens 1474 gedruckt, dagegen das 1472 erschienene: Roderici, Speculum vitæ humanæ das erste Buch aus Beromünsters Presse sein. Um diese Zeit kam auch die Kunst nach BASEL[9] durch Bartholdus de Basilea (eigentlich aus Hanau). Das erste Buch mit Jahreszahl ist Magister Konrads Repertorium vocabularum von 1473. Michael Wenssler und Fr. Biel druckten die Briefe Gasparinis von Bergamo ohne Jahreszahl. Eine handschriftliche Notiz in einem Exemplar in der Baseler Stadtbibliothek bezeichnet es als im Jahre 1472 gekauft. Bernhard Richel druckte bis 1482. Bekannt sind seine vier Ausgaben der Vulgata. Aus seiner Offizin stammt auch die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels“, des von Eyke von Reppgowe zwischen 1215-1230 verfassten deutschen Rechtsbuches.
Bekannt ist ebenfalls Johannes Bergmann von Olpe (1494-1499), namentlich durch die mit 114 merkwürdigen Holzschnitten geschmückte Ausgabe von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Die erste Auflage dieses oft gedruckten und nachgedruckten Buches erschien 1494.