Joh. Ammerbach.

Der berühmteste unter den ältern Buchdruckern Basels war Johannes Ammerbach aus Reutlingen (geb. 1434). Seine Liebe zu den Wissenschaften führte ihn nach Paris, wo er sich dem Rektor Joh. v. Stein anschloss. Dies mag wohl den Anstoss gegeben haben, dass Ammerbach sich der Buchdruckerei widmete. Als Magister artium kehrte er nach Deutschland zurück, arbeitete eine zeitlang als Korrektor bei Anton Koberger. Zwischen 1475 und 1480 eröffnete er seine Offizin in Basel und liess sich namentlich sorgfältige Ausgaben der hauptsächlichsten Kirchenväter angelegen sein. Er war der erste Baseler Buchdrucker, der sich der Antiqua bediente. Unterstützt wurde er in seinen Unternehmungen von seinen gelehrten Freunden Aug. Dodo, Conr. Pellicanus, Beat. Rhenanus und Joh. v. Stein, der von Paris nach Basel gezogen war.

Den Grund, weshalb die Druckkunst in Basel so schnell Wurzel fasste, muss man namentlich in seiner 1460 gegründeten, frisch aufblühenden Universität suchen. Mitgewirkt hat vielleicht auch der Umstand, dass die Papierfabrikation dort in grossem Flor stand. Bereits 1440 besass Hans Halbysen dort eine Papiermühle. Einen besonderen Aufschwung erhielt die Fabrikation durch die Brüder Antonius und Michael, die Gallicianen, welche um 1470 aus Spanien eingewandert waren.

Ulm und seine
Kunstschule.


ULM[10] war, nächst Augsburg, in der ersten Hälfte des xv. Jahrhunderts die wichtigste Stadt Schwabens und zählte über 50000 Einwohner. Es war nicht allein durch seinen Handel reich, sondern zeichnete sich auch durch die Pflege der Poesie und der bildenden Künste aus. Baukunst, Holzbildnerei, Malerei, Formenschneiderei blühten dort und die Häupter der Schwäbischen Schule Martin Schön, Bartholomäus Zeitblom und Martin Schaffner hatten einen grossen Ruf. Neben Anfertigung von Heiligenbildern war das Kartenmachen sehr in Schwung und grosse Massen dieser Erzeugnisse gingen nach Italien. Es war deshalb natürlich, dass die Buchdruckerei dort schnell Fuss fasste. Nächst Augsburg hat Ulm die meisten Wiegendrucke aufzuweisen, nämlich 136, unter denen 86 datierte. Ludwig Hohenwang aus Elchingen war einer der ersten Ausüber der Kunst. Er war selbst Zeichner, Formenschneider, Schriftsteller und Drucker, der mit Holztafeldruck anfing. Vier Ausgaben der ars moriendi sollen aus seinen Pressen hervorgegangen sein. Seine keineswegs vorzügliche Type ähnelt der römischen und seine Bücher zeichnen sich unvorteilhaft durch die Masse der Abbreviaturen aus, mitunter über 300 auf einer 32zeiligen Seite. Wahrscheinlich spielte Schriftmangel dabei eine Rolle, denn man findet, wie öfters in alten Drucken, kleine Buchstaben für grosse, oder einander ähnliche Buchstaben als Ersatz für einander verwendet, z. B. ein K für ein R.

Joh. Zainer.

Scheint es demnach nach neueren Untersuchungen, als müsse Johannes Zainer dem Genannten den Ehrenplatz als „erster“ Buchdrucker einräumen, so ist letzterem wenigstens der Ruhm als Ulms bedeutendsten Druckers und als eines der hervorragendsten in Deutschland gesichert. Durch einen langen Zeitraum, von dem Anfange der siebenziger Jahre des xv. bis zur Mitte der zwanziger Jahre des xvi. Jahrh., lieferte er umfangreiche Druckwerke. Zwar hat man von ihm kein datiertes Werk älter als 1473 aufzuweisen, da er jedoch um diese Zeit mit einer Anzahl, zumteil Vorbereitungen aus langer Hand erfordernder Werke auftritt, so muss er jedenfalls früher als 1473 zu wirken angefangen haben, und die handschriftliche Notiz des Käufers eines von ihm gedruckten Buches: „Albertus Magnus, de adherendo deo“, dass es 1470 gekauft sei, dürfte auf Wahrheit beruhen. Wahrscheinlich gebührt ihm, nicht Günther Zainer in Augsburg, der Ruhm, die Antiqua zuerst in Deutschland eingeführt zu haben. Ob er ein Bruder des Augsburger Zainer gewesen ist, weiss man zwar nicht, beide stammen jedoch aus Reutlingen. Überhaupt kennt man von seinem Privatleben wenig mehr, als dass es eine Kette von Sorgen war.

Leonh. Holl.

Leonhard Holl, Ulms dritter Buchdrucker, besass eine Spielkartenfabrik. Seine Waren gingen bis nach Konstantinopel. Er war der erste, der ein Werk mit in Holz geschnittenen Landkarten, worin zumteil Typen eingesetzt werden konnten, druckte. Es war dies: Claudii Ptolomäi Alexandrini Cosmographia mit 32 Karten von Johann Schnitzer von Armsheim ausgeführt. Pekuniären Erfolg hatte Holl davon nicht; erst musste er das Werk versetzen, später verkaufen. Es kam darauf in die Hände eines Venetianers Justus de Albano, der durch seinen Faktor Johannes Reger eine neue Ausgabe druckte.