Augsburg.
AUGSBURGS[11] erster Buchdrucker Günther Zainer (1468-1475) ist wahrscheinlich ein Schüler Fusts oder Schöffers gewesen. Bei ihm erschien um 1470 die erste Ausgabe von Thomas a Kempis' „Vier Bücher von der Nachfolge Christi“, ein Buch, welches nächst der Bibel am häufigsten aufgelegt worden ist. Eine grosse Anzahl deutscher Bücher druckte Johann Bämler (1472-1492). Anton Sorg (1475-1498) gab das erste Wappenbuch heraus, enthaltend die Wappen aller bei dem Konzil von Constanz anwesenden Herren. Einen hochberühmten Namen erwarb sich der Augsburger Erhard Ratdolt, ein fahrender Buchdrucker, dessen Namen mit der venetianischen Buchdruckergeschichte rühmlichst verknüpft ist. Am meisten glänzt Hans Schönsperger der Ältere (1481-1523). Über diesen sowie über Ratdolt wird später ausführlicher zu sprechen sein.
Nürnberg.
Der Vater der Typographie NÜRNBERGS[12] ist Johann Sensenschmid (1473-1478), ein durch Gelehrsamkeit und Korrektheit seiner Druckwerke bekannter Buchdrucker, der 1478 nach Bamberg zog. Auch der berühmte Astronom Joh. Regiomontanus (Joh. Müller aus Königsberg) errichtete in Nürnberg eine Druckerei und druckte deutsche und lateinische Kalender. Des grössten Namens als Buchdrucker und Buchhändler erfreute sich aber Antonius Koberger[13] (1473-1513). Er arbeitete mit 24 Pressen und beschäftigte über 100 Gesellen. Man kennt 220 aus seinen Pressen hervorgegangene Werke, beinahe alle in Folio-Format von bedeutendem Umfange, von grosser Korrektheit und Eleganz. Allein 19 Bibeln druckte er, darunter eine in deutscher Sprache mit gothischen Typen und mit denselben Holzschnitten ausgestattet, die bereits in Köln zu der niederdeutschen Bibel von 1480 verwendet waren.
Der Schatzbe-
halter.
Die Ausführung befriedigte jedoch Koberger nicht und gab ihm Veranlassung, Schritte zu thun, um künftig auf heimischem Boden stehen zu können. Wie rasch dies gelang, zeigt der 1491 erschienene „Schatzbehalter des Reichtums des ewigen Heils“. Die Holzschnitte sind zwar ungleich, je nach Fertigkeit der Holzschneider, aber die Zeichnungen, die unzweifelhaft Michel Wohlgemut angehören, sind durchweg mit Geschmack und künstlerischem Sinn ausgeführt, zugleich unter Innehaltung der Grenzen, welche die noch nicht vollendete Technik des Holzschnittes verlangte.
Schedels
Chronik.
Das 1493 sowohl in einer deutschen, wie in einer lateinischen Ausgabe erschienene „Buch der Chroniken und Geschichten“ des Doktor Hartmann Schedel ist als illustriertes Werk eins der merkwürdigsten Presserzeugnisse des xv. Jahrhunderts. Da ein Übereinkommen mit Wohlgemut und Wilh. Pleydenwurf über die Lieferung der mehr als 2000 in dem Buch enthaltenen Illustrationen (von den zweimal und öfter vorkommenden abgesehen) erst 1491 getroffen wurde, so sieht man, dass über bedeutende sowohl xylographische wie typographische Kräfte verfügt wurde. Zum Schluss des Werkes werden die angesehenen Nürnberger Bürger Sebald Schreyer und Sebastian Kammermaister als um die Förderung des Werkes verdient erwähnt, ohne dass jedoch über die Art und Weise etwas verlautet, vielleicht haben sie als reiche Kunstkenner die Kosten der Illustrationen getragen.
Bei dem Druck der „Reformation der Stadt Nürnberg“ (1475) wendete Koberger eine verschönerte halbgothische Schrift an, welche der nachherigen Fraktur sehr nahe stand und die später auch bei dem grossen Druckwerke „Leben der Heiligen“ (1488) benutzt wurde.