Kobergers grosse
Thätigkeit.
Die Wirksamkeit Kobergers als Verleger war eine so grosse — sein Katalog zählt allein 33 Bibeln auf —, dass die Kräfte der eigenen bedeutenden Offizin zur Herstellung aller Werke nicht zulangten und öfters andere Offizinen in Anspruch genommen werden mussten, namentlich die von Johannes Ammerbach in Basel. Aus Kobergers Briefwechsel[14] mit diesem zeigt sichs, wie umsichtig er für alles besorgt war, und mit Recht allgemein den Ruf eines ungemein fleissigen, ordnungsliebenden und pünktlichen Mannes genoss.
Selbst bei dieser grossen Verlagsthätigkeit ruhte Koberger nicht. Er trieb zugleich einen ausgedehnten Sortimentshandel, hatte an mehreren Orten Filialen und Agenten, ja es scheint sogar, als habe er sich auch mit anderen als buchhändlerischen Geschäften befasst. Diese seine Thätigkeit brachte ihm Ansehen und goldene Früchte. Auch im häuslichen Leben war er gesegnet und hatte von seinen zwei Frauen mehr als zwanzig Kinder, von denen einige ebenfalls eine bedeutende geschäftliche Wirksamkeit entfalteten. Er starb im J. 1513.
Bamberg.
Albr. Pfister.
In BAMBERG[15] wirkte Albrecht Pfister (geb. um 1420; gest. um 1470), von vielen für einen selbständigen Erfinder der Buchdruckerkunst und den Drucker der 36zeiligen Bibel gehalten. Als Beweis wird die Identität der Typen dieses Werkes mit denen des Bonerschen „Fabelbuches“ (1461), der „vier Historien“ (1462), sowie des „Belial“, welche Pfisters Namen tragen, angeführt. Dagegen spricht entschieden die typographisch sehr niedrig stehende Ausführung sämtlicher Druckwerke Pfisters. Wer die 36zeilige Bibel gedruckt hat, wird schwerlich als Künstler so tief sinken. Die Typen kann Pfister ja recht wohl von Gutenberg erworben haben.
Das Bonersche Fabelbuch (1461) enthält 88 sehr geringe Holzschnitte und wurde früher für das erste deutsche illustrierte Buch[16] gehalten. Die Priorität muss jedoch den: „Sieben Freuden Mariä“ und der „Leidensgeschichte Jesu“ (1450-1460) eingeräumt werden, die in künstlerischer Beziehung über dem Fabelbuch stehen. Ob letztere beiden Erzeugnisse der Pfisterschen Presse angehören, lässt sich nicht ermitteln. Unter diesen bleiben noch zu erwähnen: eine „Armenbibel“ deutsch (wahrscheinlich 1462), sowie dasselbe Werk lateinisch. Es enthält 17 Blätter in Folio mit 170 Holzschnitten. Mutmasslich hat Pfister keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg gehabt, denn in neunzehn Jahren, bis 1481, ist kein aus Bamberger Pressen hervorgegangenes Werk bekannt.
Johann Sensen-
schmid.
Der von Nürnberg nach Bamberg übergesiedelte Johann Sensenschmid (1482-1490) lieferte ein prachtvolles Missale ordinis S. Benedicti und später im Verein mit Heinrich Petzensteiner (bis 1491) das Missale ecclesiæ Ratisponensis, welches so grossen Beifall fand, dass der Drucker desselben mit vielen ähnlichen Aufträgen beehrt wurde.
Wien.
In WIEN[17] stand die 1365 begründete Universität in voller Blüte und der Kaiser Friedrich iii. war der Buchdruckerkunst wohl gewogen. Er hatte, wie erwähnt, Joh. Mentel in den Adelstand erhoben und die Kunst durch ihre und ihrer Verwandten Aufnahme in seinen und des Reiches Schutz und durch Verleihung eines Wappens[18] geehrt. Zu verwundern bleibt es umsomehr, dass erst 1482 in Wien gedruckt wurde. Allerdings waren die Zeiten nicht gerade die günstigsten. Im Jahre 1481 führte Matthias Corvinus von Ungarn zum drittenmale seine Heere nach Österreich; 1482 brach die Pest in Wien aus; 1485 zog Matth. Corvinus siegreich dort ein und behauptete seine Herrschaft bis 1490.