Aus dem Jahre 1482 stammen die ersten unbedeutenden Druckerzeugnisse Wiens ohne Namen und Datum. Bis zum Jahre 1492 zeigt sich keine weitere Spur vom Druck und erst von da ab kann man eigentlich von einer Buchdruckerkunst in Wien reden.
J. Winterburger.
In dem zuletzt genannten Jahre druckte Joh. Winterburger, aus Winterburg bei Kreuznach, A. Flacci: Persij Satire. Weder dieser Druck, noch die 1492 gedruckte Leichenrede Bernh. Pergers auf den Kaiser Friedrich iii. trägt die Firma Winterburgers und nur die Typen gestatten den Schluss, dass sie von ihm ausgeführt wurden. Da seine Druckerei damals eine sehr gut eingerichtete war, so ist es nicht unmöglich, dass sie schon 1482 bestand und dass die Drucksachen aus jener Zeit von ihm stammen, doch sind keine Beweise dafür vorhanden, und die lange Pause wäre nicht ganz leicht zu erklären. Erst 1493 kommt sein Name vor, zum erstenmale auf dem Ceremoniell zu dem „begencknus Kaiserlicher Maistat“, Friedrich iii. Kaiser Maximilian begünstigte Winterburger sehr und verlieh ihm die Führung des kaiserlichen Adlers[19]. Er verdiente aber auch jede Aufmunterung, denn er druckte kostbare Werke und förderte die Arbeiten nicht allein der Wiener Gelehrten. Er starb im hohen Alter (1519), in demselben Jahre wie sein Gönner, der Kaiser.
Köln.
Ulrich Zell.
In den West- und Nordmarken des Deutschen Reiches ist es ganz besonders KÖLN, das in den ersten Zeiten der Kunst die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Seine Lage machte es zum Mittelpunkte der Verbreitung des Buchdrucks im Norden Deutschlands und überhaupt Europas, und von dort gehen auch viele der typographischen Verbesserungen aus, z. B. die Anwendung der Signaturen, der Pagination, des eigentlichen Buchtitels und der Kolumnentitel, der kleinern Schriften und Formate. Viele der Buchdrucker, die mit Ruhm anderswo arbeiteten, erhielten ihre typographische Bildung in Köln. Schon im frühesten Mittelalter war es ein Sitz der Wissenschaft und der Kunst, und seine 1388 gegründete Universität bildete einen Hauptsitz der Theologie und der Philosophie. Ulrich Zell, ein berühmter Schönschreiber, Illuminator, Rubrikator und Schüler der Mainzer Offizin, war der erste Drucker Kölns. Seine frühesten Werke sind Chrysostomus: Super psalmo quinquagesimo und die Bulla retractionum Pii II., datiert Rom 16. März 1463. Von seinen vielen Meisterwerken verdient die lateinische Bibel in zwei Grossfolio-Bänden (wahrscheinlich aus dem Jahre 1470), besonders erwähnt zu werden. Die erste niederdeutsche Bibel, eins der berühmtesten und wertvollsten Erzeugnisse der Kölner Presse, gehört ohne Zweifel dem Nikolaus Götz (1474-1478). Sein Geschäftsnachfolger war Heinrich Quentell (1479-1500), der berühmteste Typograph Kölns und Stammvater einer hochangesehenen typographischen Familie.
Heinr. Quentell.
Solange die geistreichen Kombinationen Maddens nicht durch unwiderlegliche Thatsachen unterstützt werden, kann die von ihm angenommene grosse Druckanstalt und typographische Ausbildungsschule der fratres vitæ communis in Köln nicht der Geschichte eingereiht werden[20].
Münster.
Auf die erwähnte energische und werkthätige Korporation dürfte die erste Presse MÜNSTERS[21] zurückzuführen sein. Die Brüderhäuser in Köln und Rostock standen mit denen zu Münster in naher Beziehung und die ersten Pressen hier empfingen ihre Hauptnahrung von dem Humanismus. Der Name des ersten Druckers ist Johannes Limburgus, Aquensis (von Aachen), und der erste Druck: Kodri Kerkmeister, Comedia (1485). Mit dem nächsten Jahre verschwindet aber die Presse Münsters und taucht erst zu Anfang des xvi. Jahrh. wieder auf. Bei der dort herrschenden Gelehrsamkeit und Geistesthätigkeit bleibt nur die Vermutung übrig, dass die mit Münster eng verknüpften Städte Köln und Deventer, namentlich die letztere, dort Filiale errichtet haben; nur so lässt sich die grosse Druckthätigkeit Deventers erklären.
Die grösste Bedeutung als Drucker in Münster hat der bekannte Humanist Theodorik Tzwyvel. Von seinen vielen Druckwerken sind jedoch verhältnismässig nur wenige übrig geblieben und die Wiedertäufer, die seine Druckerei plünderten, haben gründlichst für die Zerstörung gesorgt.