Lübeck und
Hamburg.

In LÜBECK[22], welches eine tüchtige Pflanzschule für den Norden wurde, erschien 1498 die erste niederdeutsche Ausgabe des „Reineke de Voss“, von der das einzige bekannte Exemplar in Wolfenbüttel aufbewahrt wird. In HAMBURG[23] druckten 1491 die Brüder Hans und Thomas Borchardus. Aus dem xv. Jahrh. ist nur ein einziger Hamburger Druck bekannt: Laudes beate Marie virginis. Das Buch ist zwar sauber ausgeführt doch in seiner ganzen Ausstattung sehr einfach ja fast dürftig gehalten. Überhaupt scheinen die ersten dortigen Drucker auf keiner hohen Stufe gestanden und nicht mit besonderem Glück gearbeitet zu haben.

Magdeburg.

Ein überaus reges geistiges Leben entfaltete die reiche Stadt MAGDEBURG[24], wohin die neue Kunst durch Albert Ravenstein und Joachim Westfal, zwei Brüder des gemeinsamen Lebens, gebracht wurde. Sie lieferten 1483 und 1484 mehrere kleinere Schriften, dann aber auch ein grösseres, auf Laien berechnetes niederdeutsches Evangelienbuch in Folio. Westfal, der aus Stendal stammte, zog 1486 oder 1487 mit der Offizin nach dort; von Ravenstein hört man nichts weiter.

Eine staunenswerte Thätigkeit entfaltete Moritz Brandis, der von dem damals im Erzstift regierenden kunstsinnigen Erzbischof, Ernst, Prinz von Sachsen, aus Leipzig berufen wurde. Seine Offizin war mit zwölf Typengattungen und mit mindestens 9 Suiten von Initialen ausgestattet. Sein Meisterdruck ist die erste Ausgabe eines Missale in Folio; die zweite Stelle gebührt dem Halberstädter Breviarium in 8° von 1495.

Die Xylographie
in Magdeburg.

Besondere Beachtung verdient die Magdeburger Xylographie. Schon die ersten Drucke von dort zeigen Holzschnitte. Moritz Brandis lieferte 1492 einen Folianten mit vierzig, 1494 einen anderen mit elf Holzschnitten. Die meisten der, während eines Zeitraumes von siebzehn Jahren erschienenen Holzschnitte zeigen eine solche künstlerische Verwandtschaft, dass man auf die Abstammung von einem und demselben Künstler oder von einer und derselben Kunstanstalt schliessen muss. Dies wird noch bestätigt durch einen, im Kloster Zinna, dem einzigen Ort der Mark Brandenburg, ausser Stendal, der im xv. Jahrhundert eine Presse hatte, gedruckten „Marienpsalter“, ein für damalige Zeit seltenes Prachtwerk, das auf 116 Blatt in Quart nicht weniger als 189 vortreffliche Holzschnitte enthält[25].

Leipzig.
Andr. Friesner.

LEIPZIG[26], das später eine so wichtige Rolle in der Geschichte der Typographie spielen sollte, erhielt eine Druckerei erst zu einer Zeit, als manche andere Städte schon Bedeutendes geleistet hatten; ja es war nicht einmal die erste Stadt Sachsens, die die Kunst in ihren Mauern aufnahm, denn es giebt bereits Bücher aus dem Jahre 1473 mit dem Druckorte MERRSBORG[27]. Trotzdem ist die Einführungsgeschichte in Nebel gehüllt. Thatsache ist nur, dass Andreas Friesner, Sohn eines Ratsherrn in Wunsiedel, ein gelehrter Mann, der mit Sensenschmid in Nürnberg zusammen gewirkt hatte und 1479 nach Leipzig als Professor der Theologie berufen wurde, eine Buchdruckerei mit sich brachte. Ob er jedoch selbst gedruckt hat, oder ob er vielleicht seine Offizin einem der, als die frühesten bekannten, Buchdrucker Leipzigs übergeben hat, lässt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1482 bekleidete Friesner die Stelle eines Rektors der Universität Leipzig. Er starb in Rom im Jahre 1504 und vermachte seine Presse dem Leipziger Predigerkonvent[28].

Erster datierter
Druck.