Ein datierter Druck ist erst aus dem Jahre 1481 bekannt, er trägt jedoch keine Druckerfirma. Es ist ein sehr sauber auf gutes Papier gedrucktes Bändchen in klein Quart, so frisch aussehend, als wäre es erst vor einem Jahrzehnt aus der Presse gekommen. Es führt den Titel: Johāis viterbiēsis: Glosa sup. Apocalipsim und das Impressum: Lipczk MCCCC LXXXI in pfesto michahelis. Der Schnitt der, namentlich durch ihre absonderlich geformten Initialen sich auszeichnenden halbgothischen Type ist derselbe, mit welchem das erste mit Namen des Druckers versehene Buch Leipzigs gedruckt wurde: Albici tractatulus de regimine hominis, welches von Marcus Brandis (1487) herrührt. Nicht weniger gut ist ein Benedictionale des Marcus Brandis aus dem Jahre 1487. Die Notensysteme sind rot eingedruckt, aber behufs handschriftlicher Einzeichnung der Noten leer gelassen. Für mit Marcus Brandis identisch wurde früher Moritz Brandis (1488-1498) gehalten, der, wie erwähnt, später nach Magdeburg zog.

K. Kachelofen.

Konrad Kachelofen, der langezeit für Leipzigs ersten Buchdrucker angesehen wurde, entwickelte eine grosse Thätigkeit von 1489 ab, in welchem Jahre er Joh. Widmanns von Eger: „Behende vnd hübsche Rechenung auf allen Kaufmannschaft“ druckte, ein Lehrbuch der elementaren Mathematik, in welchem auch einfache Holzschnitte vorkommen. Eine ausgezeichnete Leistung ist das im Jahre 1495 gedruckte Meissner Missale. 1495 zog Kachelofen, der in Leipzig herrschenden Pest wegen, nach Freiberg; die Leipziger Stadtbibliothek besitzt jedoch einen „Leipzig 1513“ datierten Druck von ihm.

Vor dem Schluss des xv. Jahrhunderts konnte Leipzig über 150 datierte Drucke aufweisen, abgesehen von den vielen undatierten.

[1] Worte eines Engländers H. Noel Humphreys, in seiner History of the art of printing.

[2] Es befindet sich je eins der Exemplare in Darmstadt, Dresden (nicht vollständig) und Wien (sehr schön und vollständig).

[3] J. Wetter, Conrad Henlif oder Henekies. Mainz 1851.

[4] Wir schlagen den geographischen Weg ein, ohne uns streng an die chronologische Folge der Einführung der Kunst zu halten.

[5] L. de Laborde, Débuts de l'impr. à Strassbourg. — J. D. Schöpflin, Vindiciae typographicae. Strassburg 1760.

[6] Die Bibliothek des Börsen-Vereins in Leipzig besitzt hiervon ein Exemplar.