Wie für die klassischen und bildenden Künste war Italien auch für die Poesie das gelobte Land und hatte bereits seinen Dante, Boccaccio und Petrarca hervorgebracht. Es waren namentlich die Höfe der Mediceer in Florenz und der Herzöge von Este in Ferrara, welche die Mittelpunkte der Kultur bildeten, an welchen die genannten grossen Sterne und noch manche zweiten Ranges glänzten. Die nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) nach Italien geflüchteten Gelehrten nährten noch mehr den Sinn für die klassische Litteratur und fanden Unterstützung bei den aufgeklärten Fürsten, welche Pflanzschulen für die Wissenschaften und Bibliotheken gründeten und die Werke der griechischen Klassiker übersetzen liessen.
So war in Italien wie in keinem andern Lande der Boden für die neue Kunst geebnet. Bereits im Jahre 1480 hatten vierzig Städte Buchdruckereien, zumteil hervorragender Art, die namentlich mit der Herausgabe der Klassiker beschäftigt waren, während in dem Mutterlande der Typographie noch immer Gebetbücher und trockene Kompendien die hauptsächlichsten Druck-Erzeugnisse bildeten.
Conrad Sweyn-
heim und
Arnold Pannartz.
Conrad Sweynheim und Arnold Pannartz, wahrscheinlich zwei der überall hin verstreuten Schüler Gutenbergs, gründeten die erste Druckerei Italiens in dem Kloster SUBIACO. Das Städtchen Subiaco mit dem berühmten Stammkloster der Benediktiner liegt in unwirtlichster Berggegend 14 Stunden von Rom. Entfernt von der Stadt auf den höchsten nackten Felsen ragt das nur mit grossen Schwierigkeiten zu ersteigende Kloster. Der Kommandaturabt desselben, der Kardinal Johannes a Turrecremata, ein eifriger Bewunderer der Buchdruckerkunst, veranlasste durch einige Mönche deutscher Nation die Einberufung Conrads aus Schweinheim, bei Mainz, und Arnold Pannartz' aus Prag. Sie kamen 1464 an. Zuerst entstand ein Donatus, dann des Lactantius De divinis institutionibus (1465), des heiligen Augustinus De civitate dei (1467), und wahrscheinlich auch 1465 Ciceros De oratore[1].
Die römische
Schrift.
Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach. Als die Gothen im v. Jahrh. sich zu Herren Italiens machten, fingen die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte Gestalt anzunehmen; die eigentliche kleinere runde Kurrentschrift kam jedoch erst im viii. Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass Sweynheim und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen Augustinus De civitate dei, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros De officiis waren Holzschnitte.
Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen, schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten des viii. u. ix. Jahrh. vorkommt.
Pannartz und
Sweynheims
Unglück.
In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein Livius (1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten, waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des Papstes Sixtus iv. Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim scheint sich nach der Trennung hauptsächlich mit Schriftschneiderei beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473 nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer gestorben zu sein scheinen.
Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war Ulrich Han (Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in Italien, Torquemadas Meditationes (1467).