Die Stempel.
Aus welchem Stoff die Stempel in der allerersten Zeit gewesen, lässt sich nicht sagen, wahrscheinlich versuchte man es erst mit Holz und ging dann zu einem leicht zu bearbeitenden Metall über. Unter solchen Umständen konnte von einem „Einschlagen“ des Stempels in das Mater-Metall natürlich keine Rede sein; man wird also annehmen müssen, dass die Herstellung der Matern anfänglich mittels „Eindrückens“ in eine halberstarrte Masse geschah. Jedoch konnten solche Stempel und Matern nicht auf die Dauer befriedigen und man musste zum Stahl für die Stempel, zum Kupfer für die Matern greifen. Dass der Handel mit Schrift und Matern sehr schnell in Aufnahme kam, geht daraus hervor, dass dieselben Schriften an den verschiedensten Orten vorkommen.
Mangel an
Schriftsystem.
Ein korrektes „Kegelsystem“ ist im xv. Jahrh. noch nicht bemerkbar. Die Dimensionen der Typen hingen von den Eigentümlichkeiten des gerade vorliegenden Manuskripts ab. Der Buchdrucker von damals hatte noch nicht den Wert regelmässig sich abstufender Schriftgrade kennen gelernt und ahnte noch nicht, welche Unannehmlichkeiten er durch die Willkür in der Schriftgrösse auf sich und seine Nachkommen laden würde. Bei der Kostspieligkeit der Giessinstrumente ist nicht anzunehmen, dass man für jede einzelne Schrift ein besonderes Instrument hätte haben sollen, wahrscheinlicher ist es, dass die Instrumente eingerichtet waren um sowohl auf Kegelhöhe als auf Buchstabenweite gestellt zu werden.
Beschaffenheit
der alten Typen.
Auffällig genug ist es, dass auch nicht eine der Millionen Typen aus der ersten Zeit der Druckkunst auf uns gekommen ist, ja dass wir, mit einer unfreiwilligen Ausnahme, nicht einmal eine getreue Abbildung einer solchen besitzen. Einem Drucker, der 1476 in der Offizin des Konrad Winter in Köln arbeitete, müssen wir auf Grund seiner Unachtsamkeit sehr verpflichtet sein. Indem er nämlich eine, vielleicht zu locker geschlossene Schriftform einschwärzte, hat er mit dem Farbeballen einen schwachen Buchstaben herausgezogen und dies nicht beim Einfahren der Form bemerkt. Die liegengebliebene Type ist nun durch den Tiegel so fest in die Schrift hineingedrückt und auf den Bogen so genau abgedruckt worden, dass wir eine ganz genaue Seitenansicht derselben besitzen. Die Buchstabenhöhe stimmt ganz genau mit der alten französischen von 10½ geom. Linie oder 24 mm neuen Masses überein. An der sichtbaren (rechten) Seitenfläche der Type befindet sich eine runde Vertiefung von etwa 3 mm im Durchmesser. Da die Type keine Signatur hat, so diente augenscheinlich diese Vertiefung dem Setzer als Richtschnur beim Aneinanderreihen der Buchstaben. Der Fuss ist nicht ausgekehlt, man sieht daraus, dass die ersten Typen keinen Gusszapfen gehabt haben und dass die Höhe durch Absägen reguliert wurde.
Über die üblichen Schrift-Quantitäten ist es fast unmöglich etwas zu ermitteln. Die rasche Förderung vieler der älteren umfangreichen Druckwerke, trotz der Erschwerung durch das Einreihen der Bogen in Lagen, lässt vermuten, dass die Typenvorräte manchmal beträchtlich gewesen sind.
Der Setzer.