Die Beschäftigung des SETZERS, des DRUCKERS und des Giessers war, wie jetzt, im allgemeinen eine getrennte. Die Zahl der Setzer war grösser, als die der Drucker. Erstere waren nicht selten Männer von Bildung und Verständnis für ihr Fach. Diejenigen, die sich für das Geschäft so ausbilden wollten, dass sie später selbst Meister werden konnten, mussten eine angemessene Entschädigung zahlen. Wie jetzt, rekrutierten sich auch die Prinzipale von damals hauptsächlich aus der Klasse der Setzer. Hatte ein solcher vom Drucken und Giessen so viel gelernt, dass er die Arbeit Anderer überwachen konnte, so war es nicht gar zu schwierig eine Buchdruckerei zu gründen. Mit den erkauften Matern und einem Giessinstrument zog der Meister nach irgend einer Stadt. Die einfachen Utensilien konnten überall angefertigt werden, das Metall für die Schrift und das Papier waren in den grösseren Städten zu haben.
Der Buchdrucker fing nun zu giessen an, schlug seine Presse auf, mischte seine Farbe und konnte dann die Arbeit beginnen. Fing solche an zu fehlen, so lud er seine Druckerei auf einen Wagen und zog nach einem andern Ort, wo man eines Buchdruckers benötigt war, um dort seine Thätigkeit zu beginnen.
Der Setzkasten.
Die „Setzkästen“ ruhten zu zweien, einer hüben, einer drüben, auf einem Pult, das wie ein grosses doppeltes Notenpult konstruiert war. Die Zahl der Fächer hat auf Grund der vielen Ligaturen eine sehr grosse sein müssen. Durch letztere wurde die Kunst des Setzens damals eher schwieriger, als heute. Bei der grossen Ähnlichkeit mancher Ligaturen unter einander war das korrekte Ablegen sehr erschwert und Fehler kamen deshalb auch leichter beim Setzen vor. Ob die Fächer der Setzkästen, wie es nach den Abbildungen den Anschein hat, gleichgross gewesen sind, lässt sich nicht feststellen. Unwahrscheinlich ist es nicht, denn die, heute im Satz oft vorkommenden, und deshalb grössere Fächer verlangenden Buchstaben wurden auf Grund der vielen Ligaturen damals nicht für sich allein so massenhaft verwendet.
In der Regel wird der Setzer oder die Setzerin sitzend und säuberlichst angeputzt abgebildet, während die Drucker mit der Toilette es nicht gar zu ängstlich genommen zu haben scheinen und oft in einem, dem adamitischen sich sehr nähernden Kostüm dargestellt werden.
Winkelhaken.
Der „Winkelhaken“ war aus Holz, sehr einfach und für wenige Zeilen und nur für ein Format berechnet. Dass der Setzer öfters mit dem Winkelhaken in der rechten Hand abgebildet wird, berechtigt nicht zu dem Schluss, dass viele unter ihnen „links“ gewesen sind. Es beruht dies allein auf Unachtsamkeit und auf Übersehen des Umstandes, dass die Zeichnung im Schnitt umgekehrt zu stehen kommt. Ganz im Anfang hatte man mutmasslich nicht einmal einen Winkelhaken, sondern reihte die Zeilen gleich in einem flachen Kasten auf, der zugleich als Rahmen diente. Setzlinien benutzte man nicht, sondern stellte eine Zeile unmittelbar auf die andere, wodurch natürlich das Ausschliessen erschwert wurde, da die Schrift sich nicht so leicht auf der doch immer etwas rauhen Fläche der Typen hin- und herschieben liess. Der Kasten mit den fertigen Kolumnen liess sich leicht in die Presse stellen. War der Schluss auch nicht ein besonders fester, so war man bei Benutzung der Ballen und der leichten Farbe nicht so sehr der Gefahr ausgesetzt, dass die Buchstaben herausgezogen wurden, wie es jetzt bei den Walzen mit starkem Zug und der schweren Farbe der Fall ist. Dagegen stiegen öfters die Ausschlussstücke und verunstalteten den Druckbogen. Stege und Regletten scheint man nicht gehabt zu haben.
Das Tenakel und
das Manuskript.
Dass das „Tenakel“ frühzeitig gekannt war, geht ebenfalls aus den Abbildungen hervor, doch darf man annehmen, dass anfänglich dem Setzer in der Regel nach dem Manuskript diktiert wurde, und dass der Vorlesende so eingeübt war, dass er gleichzeitig mehreren Setzern aus verschiedenen Manuskripten diktieren konnte. Abweichungen im Satz in einem und demselben Werk können kaum anders erklärt werden, als dass der Satz gleichzeitig von mehreren Setzern nach Diktat gesetzt wurde. Für die Annahme des Diktierens des Manuskripts glaubt man eine Bestätigung darin zu finden, dass man auf anderen Abbildungen den Vorleser mit dem Manuskript in der Hand sieht, während die, um ihn herum arbeitenden Setzer kein Tenakel mit Manuskript auf ihren Setzpulten vor sich haben. Doch kann die für den Vorleser gehaltene Person auch der Besitzer oder Besteller sein und das Fehlen des Tenakels dem Zeichner zuzuschreiben sein.
Unregelmässig-
keit im Setzen.