An einem geschmackvollen Arrangement des Satzes, einer angenehmen Abwechselung der Schriften oder einer wohlthuenden Durchsichtigkeit durch weitere Trennungen der Zeilen und Absätze fehlt es im allgemeinen sehr und die durch die übermässig gedrängten und stark geschwärzten Typen hervorgebrachte Unklarheit wird noch durch Versündigungen gegen die ersten orthographischen Regeln vermehrt. Eigennamen sind bald mit Versalien, bald mit gemeinen Buchstaben, je nach Laune des Setzers oder nach dem Schriftenvorrat, gesetzt. Die allein üblichen Interpunktionszeichen Komma, Kolon, Punktum finden in der willkürlichsten Weise Verwendung. Krumme, ungleich ausgeschlossene Zeilen, mangelhaftes Umbrechen kommen ganz allgemein vor. Versetzungen von Zeilen und Seiten, sogar Weglassungen von ganzen Seiten im Druck gehören nicht zu den Seltenheiten, Wörter werden in der wunderbarsten Weise geteilt. Am schlimmsten von allem ist die grenzenlose Willkür im Abkürzen. Der Setzer dehnt oder drängt die Wörter, bis sie in das Längenmass der Zeile passen oder hackt nach Belieben ein Glied von ihnen ab, wenn sie durchaus nicht passen wollen. Oft wird zwar ein alter Druck auf Grund der Regelmässigkeit des Ausschlusses gelobt, sieht man jedoch näher hin, so findet man, dass die Regelmässigkeit gewöhnlich nur durch Eigenmächtigkeit erreicht wurde. Mag man auch manche gerechte Klagen über das Verfahren heutiger Kunstjünger führen, eins steht doch fest, dass die Kunst, die Typen derart zu arrangieren, dass der Sinn des Autors klarer ans Licht tritt, eine Errungenschaft der modernen Setzerei ist.
Die Korrektur.
Das bei der KORREKTUR befolgte System ist nicht vollständig klar. Es kommen in verschiedenen Exemplaren desselben Buches sonderbare Fehler vor, die darauf hindeuten, dass die Setzer selbst die Korrekturen, und zwar manchmal recht schlecht, lasen. Als Gegensatz muss erwähnt werden, dass schon Gutenbergs Bibel, wenn sie auch nicht fehlerfrei wurde, doch sehr sorgfältig korrigiert ist. Auch wissen wir, dass oft ausgezeichnete Gelehrte die Korrektur besorgten; sie waren in solchen Fällen nicht sowohl Korrektoren als Redaktoren des Textes. Im allgemeinen ist es jedoch ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass die ältern Druckwerke sich durch ihre Korrektheit vor den heutigen Erscheinungen auszeichnen.
Die Presse.
Auffällig genug ist es, dass die ersten Drucker ihre PRESSEN so wenig erwähnen. Es scheint fast, als ob man die Presse als eine alte Erfindung keiner besonderen Aufmerksamkeit wert hielt. Mit Unrecht; denn ist auch das Prinzip der Presse ein altes, so war doch der Mechanismus der Druckerpresse neu. Die Vorzüge fallen leicht in die Augen, wenn man sie mit der Schraubenpresse vergleicht, welche letztere jedenfalls als Vorbild für die Druckerpresse gedient hat. Die Bibel Gutenbergs muss unbedingt auf einer Presse hergestellt worden sein, deren Druck rasch gesteigert und rasch gemindert werden konnte und die mit einem beweglichen Fundament, einem Deckel und einem Rähmchen versehen gewesen ist[3]. Die erste Abbildung einer Presse stammt von Jod. Badius in Paris. Auf dieser Abbildung, wie auch auf allen anderen, steht die Bank mit den zu bedruckenden und mit den bedruckten Papierhaufen jenseit des Fundaments und des Karrens. Der Drucker zieht den Bengel unter grosser Kraftanstrengung mit beiden Händen an, den rechten Fuss stemmt er gegen den schrägen Tritt an. Und doch war der Tiegel nur so gross wie die Hälfte der Schriftform; es gehörte demnach ein zweimaliges Anziehen des Bengels dazu, um eine Form zu drucken. Der erste Zug erfolgte, wenn der Karren zur Hälfte, der andere, wenn er ganz eingefahren war.
Da die Pressen nur aus Holz und von gewöhnlichen Tischlern konstruiert waren, so blieb vieles zu wünschen übrig. Selten mögen wohl Tiegel und Fundament eine vollkommen gleichmässige Oberfläche gebildet haben. Die unten abgesägten Typen hatten nicht ganz genaue Höhe, und das Papier nicht gleiche Stärke, was die Ungleichheiten vermehrte.
Um alle diese Unebenheiten auszugleichen war eine weiche Lage zwischen Tiegel und dem Druckbogen notwendig, damit die Schrift tief genug in das Papier eingedrückt wurde. Unter solchen erschwerenden Verhältnissen verdienen die damaligen Leistungen des Druckers oft um so grössere Anerkennung.
Um das Register zu erzielen, bediente man sich anfänglich vierer Punkturen in den Ecken. Die Plätze für den Rotdruck waren in dem ersten Schwarzdruck mit niedrigen Quadraten ausgefüllt. Nachdem der Schwarzdruck vollzogen war, wurden die rot zu druckenden Buchstaben hineingestellt und durch Unterlagen etwas über die Schrifthöhe erhöht und dann, nachdem die betreffenden Stellen in einem zweiten Rähmchen ausgeschnitten waren, gedruckt.
Die Farbe.