Die FARBE der alten Drucke ist von sehr ungleicher Güte. In den Drucken von Nic. Jenson in Venedig ist sie intensiv schwarz, sammetweich und glänzend. Die Gutenbergsche Bibel ist mit kräftiger tiefschwarzer aber glanzloser Farbe gedruckt. In dem Psalter von Fust und Schöffer ist die Farbe bald glanzvoll, bald matt. In anderen Drucken ist die Farbe wieder bräunlich oder schmierig, wieder in anderen ohne Konsistenz und abwaschbar. Nicht selten ist die Schwärze in einem und demselben Werke bald sehr dick, bald sehr sparsam aufgetragen. Hierbei hat jedenfalls die grosse Verschiedenheit des Papiers wesentlich Schuld, sowie die Unregelmässigkeit im Feuchten. Das Pergament ist öfters zu stark poliert, öfters nicht ganz frei von Kalk oder Fett. Die allgemein aufgestellte Behauptung, die ältere Farbe sei tiefer und glanzvoller als unsere, ist nicht ganz korrekt. Sie scheint allerdings tiefer, weil man sie auf Grund der grossen Typen und des starken Auftrags massenhafter sieht; hätte man eine neue zarte Antiqua mit derselben zu drucken gehabt, so würde sie wohl auch weniger schwarz erschienen sein. Die Einschwärzung der Form geschah mittels Ballen, wie sie noch vor etwa 50 Jahren im Gebrauch waren.

Wie die Farbe zusammengesetzt wurde, ist nicht gesagt. Hier giebt das aufgefundene Ausgabebuch der Ripoli-Presse von 1481, welches die verbrauchten Materialien aller Art nach ihrer Quantität und ihren Preisen angiebt, einigen Anhalt. Vom Russschwarz ist keine Rede, wohl aber von Pech. Den ersten Platz nimmt Leinöl ein; Schellack und dünner Firnis dienten dazu, der Farbe Glanz zu geben, ausserdem sind erwähnt Cochenille und Harz.


Ausschmückung
der Bücher.

Die „Illuminatoren“ und „Rubrikatoren“ verschwinden nach der Erfindung der Buchdruckerkunst noch nicht von der Bühne. Die Initialen werden zumteil nur in Umrissen, zumteil gar nicht eingedruckt und dann von den Illuminatoren mehr oder weniger kunstvoll ausgemalt und vergoldet; auch in dem Texte werden die Majuskeln, manchmal auch die Interpunktionstrennungen mit roten Farbenstrichen hervorgehoben. Da diese Arbeiten zeitraubend, demzufolge kostspielig waren, so verschob man sie öfters; man findet deshalb viele Inkunabeln, in denen nur der Raum für die Initialen gelassen ist, ohne dass diese später ausgeführt wurden.

Die eigentliche
Illustration.

Die eigentliche ILLUSTRATION wurde von den ersten Buchdruckern vernachlässigt, wahrscheinlich um nicht den Manuskript-Charakter der Bücher zu stören. Die nachfolgenden waren jedoch weniger ängstlich. Abgesehen von dem Mangel an künstlerischem Wert nahm man es mit dem Sinn und der Wahrheit ziemlich leicht. Oft kommen in einem und demselben Werk sogar damals lebende Persönlichkeiten in ganz verschiedenen Auffassungen vor, oft dienen dieselben Holzstöcke als Konterfeis von einem halben Dutzend historischer Personen von Adam ab bis auf die damalige Zeit. Städte wurden ebenfalls ganz nach der Phantasie abgebildet und derselbe Schnitt, selbst in einem und demselben Werke, bald als Jerusalem, bald als London oder irgend eine andere Stadt vorgeführt. Ob eine Einfassung im Einklang mit dem Texte stand oder nicht, war ganz gleich. So kann man um die Seiten von Gebetbüchern Einfassungen sehen, in welchen Affen ihr tolles Spiel treiben oder gar anstössige Scenen aus der griechischen Mythologie vorgeführt werden. Mit den Holzschnitt-Illustrationen wurde schon frühzeitig Handel getrieben und dieselben zu Ausgaben in verschiedenen Sprachen benutzt.


Obwohl das Baumwollen-Papier[4] anderthalbhundert Jahre vor der Erfindung der Buchdruckerkunst in Europa bekannt war, so wurde für die ersten Druckwerke doch auch von dem PERGAMENT, wenn auch daneben von dem Papier, Gebrauch gemacht. Teils wollte man dem Gedruckten möglichst den Charakter des Manuskriptes wahren, teils waren die liturgischen Bücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass das solidere, wennauch teurere Material vorgezogen wurde.

Die Bearbeitung der Tierfelle als Stoff zum Beschreiben stammt aus dem grauen Altertum. Schon Herodot berichtet, dass man auf präparierte Hammel- und Ziegenfelle geschrieben habe. Später spricht Josephus in seinen jüdischen Altertümern von einem prachtvollen, auf Ziegenfell ausgeführten Manuskript aus dem Jahre 277 v. Chr. Will man Plinius glauben, so rührt die Erfindung des eigentlichen Pergaments (Charta pergamena) aus der Stadt Pergamum in Kleinasien, her, als der ägyptische König Ptolomäus Epiphanes aus Eifersucht über die Bestrebungen des pergamenischen Königs Eumenes ii. (andere sagen Attalus ii.), eine mit der alexandrinischen wetteifernde Bibliothek zu schaffen, die Ausfuhr des Papyrus verbot. Später wurde das beste Pergament, von den Römern gewöhnlich membrana genannt, in Rom verfertigt.