Das Material für die Anfertigung des Pergaments, soweit es zum Schreiben oder Bedrucken verwendet wird, sind Lamms-, Schafs-, Ziegen- und namentlich Kalbsfelle. Das aus letzteren hergestellte Fabrikat heisst vellum (Velin), die Kälber dürfen, wenn das Velin gut werden soll, nicht älter als sechs Wochen geworden sein; die feinste Sorte liefern die Felle der ungeborenen Kälber (velots).

Die Zubereitung des Pergaments[5] ist eine mühsame und zeitraubende. Die Felle werden in eine Kalkgrube gethan, von der Wolle, den Haaren, den Fleisch- und Fettteilen sorgsamst gereinigt, abwechselnd in Wasser und wieder in Kalk gelegt, auf Rahmen gespannt, geschabt, mit Kreide und Farbe ein- und mit Bimsstein abgerieben.

In Frankreich, wo die Fabrikation lebhaft betrieben wurde, gehörten die Pergamentmacher unter die Jurisdiktion der Universität. Alles nach Paris eingeführte Pergament musste nach der Halle der Mathuriner gebracht werden, um dort von den Universitätsbehörden geprüft und gestempelt zu werden (rectorier). Zu ihren Rechten zählte die Universität auch den Verkauf auf den zwei grossen Messen zu St. Denis und St. Ladre.

Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des BAUMWOLLEN-PAPIERS fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel, hauptsächlich in Xative, Valencia und Toledo. Anfänglich wurde zur Fabrikation nur rohe Baumwolle benutzt, dann baumwollene Lumpen, später baumwollene und leinene gemischt, schliesslich im xiv. Jahrh. leinwandene allein. Als mit der arabischen Herrschaft in Spanien auch die dortige Papierfabrikation sank, wendete letztere sich namentlich nach Italien. Um Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, in Padua, Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, die nicht allein Italien, sondern bis in das xv. Jahrh. hinein fast ausschliesslich den Süden Deutschlands versorgten, ja ihr Fabrikat bis nach Sachsen sandten, während West- und Niederdeutschland ihren Bedarf aus Frankreich und Burgund bezogen, welche Länder auch nach England ihren Absatz hatten. Von den Papiermärkten waren namentlich die in Brügge, Antwerpen und Köln bedeutend.

Aus dem gesagten geht schon hervor, dass die Fabrikation, wennauch in Deutschland nicht unbekannt, hier doch nicht genügend fortgeschritten war, um den heimischen Bedarf zu decken, noch weniger, um an eine Ausfuhr zu denken.

Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich namentlich aus den „Wasserzeichen“, Marken der Fabriken, erkennen, welche zugleich, wenn nicht untrügliche, so doch beachtenswerte Beiträge zur Beurteilung des Entstehens älterer Druckwerke liefern, untrüglich deshalb nicht, weil einerseits einige dieser Zeichen, z. B. der Ochsenkopf oder das Monogramm P fast überall verbreitet waren, andererseits, weil oft Papiere aus verschiedenen Ländern oder Orten stammend und mit verschiedenen Zeichen versehen in einem und demselben Werke verwendet wurden. Das Entstehen des Ochsenkopfes und des P ist nicht genügend erklärt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man den Ochsenkopf wählte, weil St. Lucas, dessen Symbol bekanntlich ein Ochs ist, der Hauptpatron der Malergilden von Italien bis nach den Niederlanden war, und zu diesen Gilden gehörten auch die Papiermacher. Das P dürfte auf „Papier“ hindeuten. Es wird dies dadurch um so wahrscheinlicher, als dieses Zeichen dem italienischen Papier (Carta) fehlt. Doch das alles ist Mutmassung.

Einige Wasserzeichen als Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut, Bischofsmütze, gekreuzte Schlüssel, sowie die Wappen von einzelnen Ländern, Städten und Familien deuten zwar mitunter etwas näher auf einen Abstammungsort des Papiers, sie sind jedoch auch nicht immer zuverlässige Kennzeichen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen in so vielen Wappen vorkommen.

Die deutschen Wasserzeichen sind in Bezug auf Bestimmung des Alters und des Entstehungsortes der Bücher deshalb weniger wichtig, weil die deutschen Papiere erst zu einer Zeit recht zur Geltung kamen, zu der die Druckorte, Jahreszahlen und Verleger fast allgemein auf den Büchern genau angegeben stehen.

Die älteste deutsche Papierfabrik scheint die von U. Stromer in Nürnberg gewesen zu sein, für welche im J. 1390 Arbeiter aus Italien berufen wurden. Trotzdem wurden aber doch die ersten Nürnberger Drucke auf italienischem Papier gedruckt. Basels Bedeutung für die Papierfabrikation wurde bereits S. 44 erwähnt.

In Augsburg ward 1468, in Kempten 1477 die erste Mühle angelegt. Ein Hauptplatz der Fabrikation war um die Mitte des xv. Jahrhunderts die ehemalige Reichsstadt Ravensburg in Schwaben, wo grosse Massen von Papier, jedoch keins, das mit den vorzüglicheren Sorten des Auslandes den Vergleich aushielt, geliefert wurde[6].