Von eigentlichen festen Einbänden gaben die römischen Diptychen, d. h. zwei mit Wachs überzogene, an der einen Langenseite verbundene Holztafeln, die ersten Proben. Waren in dieser Weise, statt zwei, drei oder mehr Platten verbunden, so hatte man Triptychen oder Polyptychen. Die Deckelseiten wurden öfters mit Schnitzwerk, Bildnissen von Konsuln oder Kaisern, in der christlichen Zeit von Heiligen geschmückt, wobei es mitunter einem Kaiser passierte zu einem Heiligen zu avancieren. Für die schweren Ritualbücher auf Pergament wurden ähnliche feste Einbände beibehalten, und die Deckel in Holz oder Elfenbein künstlich geschnitzt oder in durchbrochenem Metall gearbeitet, oft unter Ausschmückung mit Perlen und Edelsteinen. Auch Sammet- und Seidenüberzüge mit reichen Goldstickereien kamen zur Anwendung. Während des xi. Jahrhunderts machte sich der deutsche Kunstfleiss und Geschmack, namentlich am Niederrhein, geltend. Es entstanden eine grosse Anzahl Arbeiten in Metall mit farbenprächtigem Schmelz überzogen, eine Technik, die im xii. Jahrh. besonders in Limoges in Frankreich zur Geltung kam.

Solche wertvolle Bände sind in ziemlich grosser Zahl erhalten. Die Werkstätten befanden sich in den Klöstern; die Verfertiger waren Mönche oder Laienbrüder und arbeiteten mit den Abschreibern und Illuminatoren Hand in Hand.

Lederbereitung.

Durch die Kreuzzüge lernte man die kunstreiche Lederbearbeitung des Orients kennen. Das Gerben der Tierfelle ward schon in alter Zeit von den Chinesen und Ägyptern in hoher Vollendung geübt. Durch die Araber wurde diese Technik nach Spanien und Sicilien gebracht. Der Corduan, der Saffian, das Chagrinleder und die Juchten gaben ein vortreffliches Material für Bucheinbände ab.

Der Corduan (so nach der Stadt Cordova, von den Franzosen Maroquin, von den Engländern Morocco genannt) ist ein narbiges Ziegenleder, von dem sich der Saffian nur durch seine Glätte unterscheidet. Der Chagrin (persisch Sagre) ist wie mit runden Körnchen übersät, was durch Hineintreten von Samenkörnern hervorgebracht wird. Juchten ist meist Rinds- oder Pferdeleder, welches mit Laugen, Beizen und Farbstoffen behandelt und durch Birkenöl geschmeidig gemacht wird.

Durch Verzierungen wurden die Lederflächen belebt, in der ältesten Zeit sind diese gewöhnlich in das Leder eingeschnitten und die vertieften Stellen mit Farbe ausgemalt. Der Grund wird öfters punktiert oder mit kleinen eingetriebenen Verzierungen in Kreisform ausgefüllt. Das feuchte Leder wurde auch mit dem Modellier-Eisen plastisch bearbeitet und reiche Figurenbilder hergestellt. Manchmal kam die Schrotmanier zur Anwendung. Von den mit Stanzen und Rollen eingepressten Ornamenten wurde ein sehr freigebiger Gebrauch gemacht. Die Ecken waren gewöhnlich mit, meist durchbrochenen, Metallbeschlägen versehen. Spangen (Klausuren, Schleissen), teils von Leder, teils von Metall, hielten die Deckel zusammen. Die grossen Folianten waren ungemein schwer, ruhten gewöhnlich auf Schrägpulten und waren oft in den Bibliotheken an Ketten gelegt.

Die Einbände des
König Matthias
Corvinus.

Den Übergang zur Renaissancezeit bilden die Arbeiten, welche der ungarische König Matthias Corvinus in seiner ausgezeichneten Bibliothek zu Ofen gesammelt hatte. Sämtliche Bücher dieser Bibliothek, für welche jährlich 33000 Dukaten verwendet wurden, wurden in Sammet oder Leder gebunden, mit goldenen oder silbernen Spangen und mit dem Wappen des Königs geschmückt. Dreissig Schreiber und Maler, darunter bedeutende Künstler, waren regelmässig für die Bibliothek beschäftigt.


Segensreicher
Einfluss der Buch-
druckerkunst.