Die Naturwissen-
schaften und die
Heilkunde.

Die Werke auf dem Gebiete der gesamten Naturwissenschaften und der Heilkunde blieben zumeist ohne grossen Wert. Den Anfang machte auch hier der Druck der Schriften der alten römischen, griechischen und arabischen Ärzte, namentlich des sogenannten Fürsten der Ärzte, Avicenna, von dessen Schriften bereits vor 1500 mehr als 25 Ausgaben im Druck erschienen waren. Bedeutende wissenschaftliche Ausbeute geben sie nicht. Leerer Dogmatismus, Alchemismus und Astrologismus hemmten die freie Forschung. Die grossen geographischen Entdeckungen sollten jedoch auch nicht ohne wohlthätigen Einfluss auf die Naturwissenschaft und ihre Litteratur bleiben, man lernte neue Pflanzen, neue Heilmittel und leider auch neue Krankheiten kennen. Es entstanden hierdurch die zahlreichen mit Illustrationen geschmückten Kräuterbücher und Gärten der Gesundheit.

Die Poesie.

Italien hatte, wie oben schon erwähnt wurde, noch vor der Erfindung der Buchdruckerkunst seine grossen Dichter: Dante Alighieri, Boccaccio und Petrarca hervorgebracht. Dantes Divina commedia wurde zum erstenmale 1472 in Foligno gedruckt; seine gesammelten Gedichte 1500. Boccaccios Decamerone erschien schon 1470 und dann in sehr vielen Ausgaben, unter welchen die berühmte Valdarfersche (1471). Die erste Gesamtausgabe des Boccaccio datiert aus dem Jahre 1490. Petrarcas Sonetti e trionfi wurden 1471 durch den Druck veröffentlicht.

An die Meisterwerke der Poesie Italiens reichen die dichterischen Erzeugnisse der anderen Länder nicht heran. Mit wenigen Ausnahmen bewegen sich diese in der breiten, epischen Romantik des Rittertums, in den Heldenliedern, in den lyrisch-elegischen Gesängen der Troubadours und Minnesänger, in den, teils scherzhaften, teils ernsten Volksliedern oder in langweiligen didaktischen Gedichten. Unter den humoristischen und satirischen Schriften macht namentlich Sebastian Brants Narrenschiff mit seinen Illustrationen Epoche.

Trennung der
Buchdruckerei
vom Buchhandel.

Der BUCHHANDEL. Mit den steigenden Bedürfnissen der Lesewelt und der Verbreitung der Pressen selbst nach kleineren Städten musste die Vereinigung des Schriftgiessers, Buchdruckers, Verlegers und Händlers in einer Person von selbst fallen und die einzelnen Geschäftszweige lösten sich nach und nach vom Stamme ab. Zuerst musste der Buchdrucker-Verleger bei der Schwierigkeit des Betriebs Persönlichkeiten suchen, die seine Fabrikate an das Publikum verhandelten. So nahmen schon Peter Schöffer den Conrad Henliff; Joh. Mentel den Adolf Rusch als Bevollmächtigte und Teilnehmer an, welche weite Reisen machten, um die Bücher an den Mann zu bringen, wozu sie sich auch der Kaufleute bedienten, die Bücher zugleich mit anderen Waren führten. Neben dem kaufmännisch organisierten Vertrieb fand auch das Kolportieren, das Webern, statt. Schon im xv. Jahrhundert fanden sich bedeutende Buchhändler. Niederlagen wurden an den Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, und gegen Ende des Jahrhunderts war der Buchhandel in Venedig, Lyon, Frankfurt am Main schon von grosser Bedeutung. Auch Köln war, wenn als Verlagsplatz auch unter dem drückenden Einfluss der geistlichen Bevormundung stehend, ein wichtiger Ort namentlich für die Vermittelung des Absatzes nach den reichen Niederlanden, wo die Buchhändler der angesehenen St. Lucas-Gilde angehörten, und nach England, wo indes der Buchhandel sich nur langsam entwickelte, da es keine Bücher in Tausch anzubieten hatte. Um bedeutende Werke erscheinen lassen zu können, wurde öfters zur Association unter Buchdruckern und Buchhändlern geschritten. Man teilte dann gewöhnlich die Auflagen.

Die Zensur.

Als die Bedeutung der neuen Kunst den geistlichen und weltlichen Behörden klar geworden war, fand sich, als unwillkommener Gast, baldigst die Zensur ein, schon in den sechziger Jahren in Köln, später in Mainz. Die Formel in Köln lautete: admissum ac approbatum ab alma universitate Coloniensi. Ob jedoch vom Beginn ab die Einholung der Approbation ein Zwang war, oder ob diese mehr als eine Empfehlung nachgesucht wurde, ist nicht ganz klar. Gegen das Ende des xv. Jahrh. findet man jedoch in allen deutschen Erzdiözesen eine wirkliche geistliche Zensur eingeführt.

[1] Unter den eingangs erwähnten Werken enthalten namentlich die von W. Blades und Th. de Vinne Beachtenswertes über die ältere Technik.