Darum bedarf es auch nicht der Entschuldigung, wenn wir bei dieser bevorzugten Zeit und den hervorragenden Persönlichkeiten derselben mit Vorliebe etwas länger verweilen; mussten doch gar zu bald fast in allen Ländern die Folgen der kirchlichen und politischen Spaltungen sich kund geben und der helle Glanz dem mehr oder weniger tiefen Dunkel des Verfalls weichen.
Leider sollte dieser Rückfall auf das empfindlichste das Heimatland der Erfindung treffen. Der Bauernkrieg, die langen inneren religiösen Kämpfe, vor allem der unselige dreissigjährige Krieg und die verwüstenden Züge der Franzosen schlugen der geistigen Entwickelung Deutschlands und seinem nationalen Wohlstande tiefe Wunden, die nur langsam vernarben konnten. Erst zu Ende der vorliegenden Periode zeigten sich der aufgehende Stern des preussischen Staates und die Anfänge der neueren nationalen Litteratur als Vorboten des Fortschrittes auf dem Gebiete der politischen und geistigen Machtstellung Deutschlands.
Je höher der Gipfel war, den Kunst und Bildung in Italien erreicht hatten, um so tiefer war der Fall, der auch hier eintrat. Zu gleicher Zeit seufzte Spanien unter dem Joche der Jesuiten und den Greueln der, den physischen und geistigen Tod verbreitenden Inquisition.
Frankreich musste unter politischen und Religionskämpfen bluten, erreichte jedoch trotzdem in dieser Periode unter der glanzvollen Regierung Ludwigs xiv. sein höchstes äusseres Ansehen und seinen litterarischen Zenith. Infolgedessen sinkt die Typographie hier auch nicht so schnell und erst zu einer Zeit, wo wir bereits von einem beginnenden Wiederaufblühen in anderen Ländern, namentlich in England, zu berichten haben.
Hier war eine Regierungsumwälzung der anderen gefolgt und die Presse hatte in schweren Fesseln gelegen, bis gegen den Schluss der Periode die Freiheit für immer einen festen Boden gewann, auf dem dann auch die Buchdruckerkunst sich eben so mächtig wie schnell entfaltete.
Im skandinavischen Norden wüteten die verwandten Stämme gegen einander und Schweden verzehrte ausserdem seine Kräfte in dem dreissigjährigen Krieg und in den Kämpfen mit Russland. Die Türken überschwemmten Ungarn und Österreich. Schwere und weitverbreitete Seuchen glichen in ihren Folgen den Kriegen.
Somit war ein grosser Teil des zweiten und des dritten Jahrhunderts der Buchdruckerkunst eine, dieser sehr ungünstige Zeit, in der sie nothwendigerweise leiden musste, und erst das vierte Jahrhundert sollte sie zum neuen Glanz wieder erstehen sehen.
Werke, welche ein Gesamtbild dieser interessanten Periode der typographischen und xylographischen Thätigkeit geben, oder auch nur die Geschichte der einzelnen Hauptländer in ihrer Totalität schildern, besitzen wir nicht. Dagegen giebt es eine stattliche Reihe erschöpfender Schilderungen der Wirksamkeit hervorragender Familien oder einzelner Persönlichkeiten, welche den Kern dieser Zeit bilden. Was die Meister der Typographie betrifft, so befindet sich das Ausland in einer besseren Lage als Deutschland, welches nicht einmal ein biographisch-kritisches Werk über die Familie Breitkopf aufzuweisen hat. Es sind namentlich die Franzosen, die sich durch solche Arbeiten Verdienste erworben haben.
Dahingegen bietet Deutschland vorzügliche Werke über seine grossen Künstler, die auch für die Illustration thätig gewesen sind. Solche Quellen des In- und Auslandes werden an den betreffenden Stellen angeführt, hier sei nur der bereits eingangs erwähnten allgemeinen Schilderungen Jackson, Chattos und Firmin Didots gedacht, sowie des, von Dr. Rob. Dohme herausgegebenen Kollektiv-Werkes: „Kunst und Künstler des Mittelalters und der Neuzeit“. 5 Bde. (Leipzig 1875-1881), das kritische Würdigungen und biographische Skizzen fast aller der Kleinmeister, die für die Illustration so Bedeutendes geschaffen haben, enthält.
Einen grossen Vorteil bieten die Kunstverfahren der Neuzeit: Photographie, Lichtdruck, Photolithographie und Zink-Hochätzung, durch die Möglichkeit, mittels derselben eine Anzahl von Werken aus der Renaissancezeit, die auf Grund ihrer Seltenheit und ihrer hohen Preise nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, in getreuen Nachbildungen allgemein zu verbreiten; denn Werke, die wie R. Weigels wertvolles „Holzschnitte berühmter Meister“ (Leipzig 1857), vorzügliche Nachbildungen in Xylographie bringen, sind nur bei grosser Opferwilligkeit des Verlegers möglich.