Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, Barthel. Der ältere Hans Sebald Beham (geb. zu Nürnberg 1500) steht vielleicht von allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer am nächsten, und übertrifft ihn als Kupferstecher. Er befindet sich schon vollständig auf dem Boden der Renaissance. Nach verschiedenen Schicksalen fand er in Frankfurt 1534 eine bleibende Stätte und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele Werke Chr. Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik (die in neun Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der Offenbarung St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament; ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und einem Buch vom gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 starb, hinterliess er 270 Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. Seinen Grundsätzen, für die er in der Jugend büssen musste, blieb er bis an sein Ende treu.

Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des Ross“ brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin eine widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte und ein Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, das übrigens von ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen sei.

Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine Weinschenke errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, dagegen scheint jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade aus seinen letzten Lebensjahren stammen, zu sprechen.

Barthel Beham.

Barthel Beham ging nach München und trat 1527 in den Dienst des Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten nach Italien sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf der Höhe seiner Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf die heutige Zeit gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen für das Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. In derselben Richtung zeichnete sich Ludwig Krug in Nürnberg aus.

Hans
Schaeuffelein.

Hans Leonhard Schaeuffelein (geb. um 1476) lehnt sich sehr an Dürer an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt zu, dessen Technik ganz der Richtung seines Geistes entsprach. Wahrscheinlich lernte er zuerst bei Wolgemut und arbeitete später bei Dürer, bis dieser 1505, vor seiner Abreise nach Italien, seine Werkstatt auflöste. Im Jahre 1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge von 65 Blatt für das Speculum passionis des Dr. Pinder. Von ihm rühren 118 Zeichnungen für die Holzschnitte zu dem Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen Holzschneider Jost de Negker geschnitten wurden. Bei Schönsperger erschien ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen Holzschnitten und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, „Das Leiden Christi“.

Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen: seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“; zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen Leben entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben und namentlich 20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl zeichnet sich durch seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. Breite bei 71 ctm. Höhe, aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und konnte sich nicht von dem noch nicht fertigen Standpunkt der Form emanzipieren, auf welchem Dürer damals, als er nach Italien reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549.

Albr. Altdorfer.

Albrecht Altdorfer, wahrscheinlich in Amberg um 1480 geboren, tritt weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, wenn er ihn auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte seine Kräfte nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er nach Regensburg über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist als Vater der modernen Landschaftsmalerei zu betrachten und brachte es auch in der Ätzmanier zur Virtuosität. Die Zahl seiner Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80, die der Holzschnitte auf 70, die der Radierungen auf 30. Er starb im Jahre 1538.