Michael Osten-
dorfer.
Michael Ostendorfer, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), leistete als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich bedeutendere Werke geliefert haben, wenn nicht die Not ihn gezwungen hätte, die Kunst allein als Erwerbsmittel zu betrachten und allerlei, seinen Fähigkeiten nicht angemessene Arbeiten zu unternehmen. In der ersten Periode seiner Thätigkeit sind seine besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau Maria gewidmet, besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse: „Die Kirche der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst mit Eifer der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein umfangreicher Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548).
Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von der Mitte des xvi. Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, unter diesen besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner und Melchior Lorch.
Virgil Solis.
Virgil Solis, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie eine besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der schönsten Zierstöcke für Bücherornamentierung erfand. Von ihm sind 600 Kupferstiche bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte ist ebenfalls gross, als: 100 biblische Figuren zum Alten Testament; 116 zum Neuen; 67 zur Geschichte der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; 194 zu Äsops Fabeln. Er starb um 1562.
Jost Amann.
Jost Amann[5] war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in Zürich geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für dortige, besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich für Sig. Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; Icones Livianæ, Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu Reineke Fuchs; das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von Bedeutung. Bekannt ist das 1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche Beschreybung aller Stände auf Erden — aller Künste und Handwerken“. Wir finden darin auch den Schriftgiesser, Drucker, Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei etwas grösserer Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden diese Abbildungen von grösserem Werte für die ältere Geschichte der Buchdruckerkunst sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen Anhaltepunkte. Amann starb 1591.
Peter Flötner.
Peter Flötner aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in erster Reihe Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den Formenschnitt thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten zeichnen sich besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft aus. Von Wert für die Ornamentik ist noch heute seine Sammlung von 24 Vorlegeblättern für Goldschmiede und sonstige Metallarbeiter.
Melchior Lorch.