Melchior Lorch aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 in Kupfer stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte grosse Reisen und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften begleitete, Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er aus dem Orient mitbrachte, erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu Hamburg. Später trat Lorch in den Dienst des Königs Friedrich ii. von Dänemark. Eine, auf zwei Platten geschnittene figurenreiche Darstellung der Sintflut ist die grösste der von ihm erhaltenen Kompositionen. Er starb zu Rom 1585.

Jakob Binck.
H. Ladenspelder.

Geschickte Kupferstecher waren Jakob Binck und Hans Ladenspelder. Der erstere, zu Anfang des xvi. Jahrh. geboren, siedelte 1531 nach Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir haben ungefähr 150 Stiche von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) sind etwa 50 Stiche auf uns gekommen; er neigt sich mehr den Italienern zu.

H. Aldegrever.

Heinrich Aldegrever ist der letzte der Künstler, die mehr oder weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik und der Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn oder in Soest geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die Portraits Luthers und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft in mehreren Stichen an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter sind von ihm vorhanden. In grösseren Bilderfolgen behandelte er biblische Geschichten, z. B. die Adams und Evas, des barmherzigen Samariters, des keuschen Joseph. Seine ornamentalen Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte Vorlagen, namentlich diejenigen Blätter, in welchen er sich an das einfache Pflanzenornament hält[6].

Luc. Cranach.

Eine Sonderstellung behauptet Lucas Cranach[7], so genannt nach seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren wurde. Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich des Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann dem Beständigen und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in grosser Gunst stand und zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg übergesiedelt, kaufte er 1520 dort eine Apotheke, trieb auch Buch- und Papierhandel, beteiligte sich bei einer Buchdruckerei und lieferte, unterstützt von zahlreichen Gehülfen, eine Unzahl von Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber doch keinen Vergleich mit denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch Zeichenfeder wie durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter an dem Reformationswerk gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der Reformatoren allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine satirischen Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen, andererseits die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war er sehr angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit dem Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober 1553 starb.

Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein Dutzend; von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, teils Suiten. Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ 14 Blatt; die 1509 als Passio Jesu Christi erschienen, und später vielfach benutzt wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die Marter der Apostel“, 12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, 26 Blatt, wovon 13 je eine Scene aus dem Leben Christi, diesen gegenüber 13 je eine aus dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das Papsttum“, 10 Blatt, dann „Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, 119 Blatt, mit Abbildungen und Beschreibungen kostbarer Gefässe etc.

Hans Baldung.

In Strassburg lebte Hans Baldung, genannt Grün, wenige Jahre nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er sich in Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein Altarbild in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach seiner Rückkehr nach Strassburg widmete er sich besonders dem Holzschnitt und lieferte auch schöne Blätter in Clair-obscur-Manier. Grossartig sind seine Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. Man kennt etwa 150 Blätter von seiner Hand. Ein wahres Kleinod für die deutsche Kunstgeschichte ist sein Skizzenbuch, welches in Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im Jahre 1545.