Privilegien.
Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhöhte die Zahl der Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt und die Zensur in optima forma eingeführt. Ein dem Ministerium der Polizei beigegebenes Bureau de l'esprit public sollte für Verbreitung der Regierungsansichten und die Bearbeitung der öffentlichen Meinung wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, für jeden Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebühren.
Im Jahre 1812 wurden die Privilegien auch für den Buchhandel eingeführt, jedoch die Zahl der Buchhandlungen nicht beschränkt. Zensierte Werke konnten nachträglich konfisziert werden, jedoch mussten die Druckkosten ersetzt werden. Diese Bestimmung kam nur in einem einzigen Fall zur Anwendung und zwar anlässlich des Werkes De l'Allemagne der Frau von Staël.
Napoleons Interesse für die Typographie.
Dass der Buchhandel und die Buchdruckerei sich unter der Regierung Napoleons trotz des äusseren Glanzes nicht recht entwickeln konnten, wird jeder verstehen. Unter den von der Regierung selbst hervorgerufenen Werken steht obenan die Description de l'Égypte, das Resultat der Thätigkeit der gelehrten Kolonie, welche Bonaparte mit nach Ägypten geführt hatte.
Hätte überhaupt die Typographie keine andere Aufgabe gehabt, als der Wissenschaft zu dienen, so würde sie in Napoleon gewiss den grössten Freund gefunden haben, denn ein Geist wie der seinige konnte den Verkehr mit der Presse nicht entbehren. Selbst im ärgsten Kriegslärm mochte er die Wissenschaft und die Litteratur nicht missen.
Beabsichtigte Feldbibliothek.
Bereits 1798 hatte er daran gedacht, eine Feldbibliothek herstellen zu lassen, die ihm auf seinen Feldzügen folgen sollte, und 1808 den Plan wieder in Bayonne aufgenommen. Als er bei seinem Aufenthalt in Schönbrunn die Werke, die er mitzuführen gewünscht hatte, die aber wegen des äusseren Umfangs zurückgeblieben waren, sehr vermisste, kehrte er ernstlich zu der Idee einer Feldbibliothek zurück und diktierte am 12. Juni 1809 den Plan zu einer solchen, der seinem Bibliothekar Barbier als Richtschnur unterbreitet werden sollte.
Napoleon wollte eine Sammlung schön gedruckter und gut gebundener Werke in kleinem Format mit kleinem Rand. „Er sei reich genug, um sich diesen Wunsch erfüllen zu können.“ Vorläufig wollte er 3000 Bände von je 4–500 Seiten, hauptsächlich geschichtlichen Inhalts, die Bibel dürfe nicht fehlen; wären diese 3000 Bände fertig, so könnten weitere 3000: Reisen, Naturgeschichtliches, Unterhaltendes, folgen. Eine Anzahl gewiegter Männer der Wissenschaft sollte die Redaktion besorgen und allen unnützen Ballast über Bord werfen.
Im November 1809 stattete Barbier seinen Bericht ab. Die Kosten für die 3000 Bände waren bei einer Auflage von fünfzig Exemplaren auf vier und eine halbe Million Franken berechnet. Würden jedoch 300 Exemplare gedruckt und verkaufte man den Band zu fünf Franken, so entstände eine Einnahme von etwa drei Millionen Franken. Man glaubte, täglich einen und einen halben Band oder jährlich gegen 500 Bände liefern zu können. Die Proben wurden gemacht — und hierbei blieb es.