Der Pariser Friede 1814 löste die Länder aus der eisernen Umarmung Frankreichs, um sie zu einem Königreiche der Niederlande zu vereinigen. Diese, dem Zusammengiessen von Essig und Öl nicht unähnliche Verschmelzung des protestantischen, germanischen Nordens mit dem katholischen, zum grossen Teil französischen Süden wurde durch die Revolution in Brüssel 1830 faktisch, durch den Frieden 1839 definitiv und rechtlich aufgelöst.
Seit dieser Zeit entwickelte sich ein freieres geistiges Leben in Belgien sowohl als in Holland. Zwar ist der alte Ruhm des niederländischen Pressgewerbes nicht wieder erreicht, jedoch steht dasselbe auf einem achtbaren Standpunkte und lässt weitere Fortschritte erwarten.
Freiere Pressverhältnisse.
In Holland verursachten die freieren Pressverhältnisse vor dem Ausbruch der französischen Revolution, dass viele französische Autoren und Verleger ihre Artikel dort, namentlich in Amsterdam und dem Haag, drucken liessen. Hierin liegt wohl zumteil der Keim zu dem später gewerbsmässig betriebenen holländisch-belgischen Nachdruck, welcher jedoch anfänglich keine grosse Bedeutung hatte und von selbst aufhörte, solange die Niederlande der französischen Herrschaft unterlagen.
Holländische Typographie.
Die holländische Typographie hält fest an dem einmal angenommenen Typenduktus mit seinen langen, schmalen und eng zugerichteten Schriften, die insofern praktisch sind, als mit ihnen sich viel Stoff auf einen kleinen Raum, allerdings auf Kosten eines gefälligen Eindrucks, zusammendrängen lässt. Unter den Formaten ist ein Gross-Median-Oktav das beliebteste und selbst Romane und Gedichte werden in demselben gedruckt.
Durch seine Kolonien in Hinterindien und auf den Inseln des indischen Ozeans ist die Schriftgiesserei Hollands auf die Pflege der Schriften der dortigen Eingeborenen angewiesen. Unter Aufsicht von T. Roorda wurden von J. Enschedé & Zoonen in Haarlem javanische Lettern angefertigt. Ein bedeutendes Renommé in dieser Richtung erwarb sich N. Tetterode in Rotterdam, welcher Mandalingisch, Batakisch, Manarisch und Boeginesisch lieferte. Unter der Direktion von J. Hoffmann liess die holländische Regierung auch chinesische Typen schneiden, die später in den Besitz von E. J. Brill in Leyden übergingen[129]. Als Schriftgiesser wirkten ferner in Gröningen Omkens, van Baskenes und Damste.
Statistisches.
Im Jahre 1882 hatte Holland in 128 Städten 428 Buchdruckereien (1840 besass es nur 146), 183 lithographische Anstalten, 700 Buchhandlungen. Die Buchdruckereien arbeiteten mit 740 Schnellpressen und 650 Handpressen. Die Zahl der lithographischen Schnellpressen war 125, die der Handpressen 700. Die zur Verwendung kommenden Maschinen verschiedener Art stammen namentlich aus französischen Fabriken. An Tageblättern gab es 29, an Wochenblättern und an anderen periodischen Schriften 397.